Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 9-10 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 329 (sequence 45)
- Belongs to
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329 heil, an dem man das Steigen und Fallen des Druckes der geistigen Atmosphären im jüdischen Volke ablesen kann. In der nachmendelssohnschen Zeit stand das Barometer auf Sturm. Die Rebellion gegen die Halachä begann in Deutschland ihre Orgien zu feiern. Nirgendwo hauste der Aufruhr so wüst, so fanatisch, so aufreizend wie in den Synagogen. Was sich in den Häusern und Familien damals abspielte, das waren stille, verborgene Tragödien, die sich der öffentlichen Kenntnis1 zumeist entzogen. Aber in den Gotteshäiusern trat der gewandelte Zeitgeschmack einer vom Rausche der Emanzipation und dem aesthetischen Reize der deutschen Dichtung und Philosophie erfüllten Generation vor die Kanzel der Rabbinen hin und forderte fanatisch sein Recht. Dieses Recht sollte ihm werden. Isak Bernays, Salomon Pleßner,;Michael Sachs machten sich mit Eifer daran, den modernen Predigtton mit der Melodie der Thora zu versöhnen. Aber erst Rabbiner Hirsch זצ׳ל gelang es, in seinen Reden und Schriften den Ton zu treffen, auf den in jenen rebellischen Tagen im Grunde alles ankam: Den Ton des Aufruhrs gegen den Aufruhr. Die Rebellion der Zeit gegen die Thorahat er mitder RebellionderThora gegen die Zeit beantwortet.. Diesen Ton des Aufruhrs gegen den Aufruhr der Zeit, der aus allen Schriften Rabbiner Hirschs ׳herausklingt — ob sie die Frühlingspredigt im Winter, das Wesen des Opfers!oder die Austrittsfrage betreffen — in den vier Jahrzehnten nach Hirsch fortgesetzt und in seinem ומוסר rra:!n_Werke verewigt zu haben, darin vor allem glauben wir das geschichtliche Verdienst zu erkennen, das sich Rabbiner Breuer in seiner Eigenschaft als Verwalter der Kanzel seines Vorgängers erwarb. > Man kann nicht gerade behaupten, daß das, was wir hier den Ton des Aufruhrs nennen, den Zeitgenossen besonders angenehm in den Ohren klang und klingt. Wo stünden wir aber heute, wenn es diese Verbindung von חכמה und מיסי nie gegeben hätte? Wenn wir heute in Deutschland noch immer;so etwas wie eine selbständige jüdische Orthodoxie haben, die [um keiner finanziellen Vorteile willen an die Neologie sich verkauft, so haben wir das doch in erster Linie der nachwirkenden Kraft seiner Entschiedenheit und Energie zu verdanken, mit der jahrzehntelang von der Kanzel der Frankfurter