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Nahalat tsevi · 1931-07-01 · Heft 9-10 (Juli 1931) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 9-10 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 326 (sequence 42)
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326 noch die Mitte hält zwischen Sport und Proletariat, frühen Ernst auf den Stirnen, mit Augen, die allzu vorzeitig hinter die Kulissen des Lebenstheaters geschaut haben, mit kritisehen, skeptischen sogar, und dennoch so lerndurstigen, so thorahungrigen Augen: ein heiliger Frühling. Aber in dieser Jugend lebt vielfach eine geheime Scheu vor dem ״Dennoch“ der deutschen Abwehrorthodoxie. Unzufrieden mit der von Selbstgenügsamkeit nicht ganz freien Art, in der sich dieses ״Dennoch“ bei der älteren Generation ausgewirkt hat, angesteckt von dem Defaitismus, der sich gerade der älteren Generation als Reaktion gegen einstigen Triumphalismus bemächtigte, wendet sich ihr Blick zum Osten und seiner von ihr auch heute noch — nicht ganz mit Recht! — vermuten Selbstverständlichkeit der Thoratreue, und geht ihr Sehnen nicht selten nach Abstreifung des ״Dennoch“ im Reinigungsbade des Talmudmeeres. Hierin liegt die eigentliehe Wurzel der vielbesprochenen ״Abkehr von Rabbiner Hirsch“. Es ist die Abkehr von dem ״Dennoch“, als dessen Exponent der Jugend Rabbiner Hirsch gilt. Die deutsche Orthodoxie ist müde geworden. Sie möchte nicht mehr Abwehrorthodoxie sein. Die Enttäuschung des Alters hat die Scheu der Jugend erzeugt. Scheu vor der ewigen Auseinandersetzung mit den Kulturwerten Westeuropas, Scheu auch vor der ewigen Auseinandersetzung mit dem Zionismus bis in seine stammesgemeindliche Ausprägung. Allein jene Enttäuschung und diese Scheu sind eine ungeheure Gefahr für die ganze Zukunft der deutschen Orthödoxie, ja des ganzen Judentums. Ich sagte es bereits: nicht aus Uebermut ist die deutsche Orthodoxie Abwehrorthodoxie geworden, sondern die Vorsehung hat sie schicksalmäßig dazu gemacht. Hiergegen gibt es, bei Strafe des Untergangs, keine Auflehnung. Wer den Osten nach Deutschland verpflanzen will, rettet nicht nur nicht Deutschland, sondern bedroht auch den — Osten. Eine Absperrung der deutschen Orthodoxie von ihrer Umwelt ist ein törichtes Unterfangen. Folglich ist ein einfaches Verneinen dieser Umwelt eine aussichtslose Spekulation auf die Unaufgeschlossenheit unserer Jugend und deren — Kinder. Folglich ist die deutsche Orthodoxie nur als Abwehrorthodoxie möglich. Folglich kann ihr Ziel nicht auf einem Wege liegen, der von Rabbiner Hirsch wegführt, sondern

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