Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 9-10 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 325 (sequence 41)
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325 Recht des jüdischen Volks: nirgends sind sie in klarerer, bewußterer Auseinandersetzung zurückgewiesen worden als auf deutschem Boden, dem Mutterboden all dieser Strömungen, dem Mutterboden ihrer Eindemmungen, sodaß ohne Uebertreibung der Satz ausgesprochen werden darf, es sei die Geschichte der deutschen Orthodoxie der Geschichte der Orthodoxie des Ostens im letzten Jahrhundert stets um etliche Jahrzehnte voraus gewesen. Nicht als ob nun jeder orthodoxe deutsche Jude die volle Abwehrklarheit besessen oder gar die aus der Abwehr sich ergebende Synthese in sich vollzogen hätte. Der Einzelne stand vielfach keineswegs auf der Höhe seiner Bestimmung. Aber zum mindesten eine Ahnung von der besonderen funktionellen Sendung der deutschen Orthodoxie hatten doch alle, und in der Vorkriegszeit neigte man eher zu einer Ueber- Schätzung als zu einer Unterschätzung ihrer bedingten Kraft. Wissen Sie, sagte mir einmal ein gescheiter deutsch-orthodoxer Jude der Vorkriegszeit, worin der Unterschied zwisehen uns und dem Osten besteht? Tauchen im Osten in einem jungen jüdischen Menschen Zweifel auf, so ist er regelmäßig verloren, während bei uns der Zweifel oft nur der Anfang ist zur Entwicklung der selbständig starken jüdischen Persönlichkeit. — Die Nachkriegszeit hat einen bedeutsamen Wandel gebracht, auf den gar nicht früh und ernsthaft genug hingewiesen werden kann. Zunächst ist das Milieu der deutschen Orthodoxie erheblich feindseliger geworden. Kultur und Wirtschaft der Umwelt erschweren ihr das thoratreue Leben in früher kaum gekanntem Maße. Eine Verarmung hat Platz gegriffen, die geradezu zwingt, von einer Proletarisierung der deutschen Orthodoxie zu sprechen. Das Hitlertum hat ihr den Geschmack am deutschen ״Gasthause“ gründlich verdorben. Der Zionismus hat ihre Ueberzeugung von der Daseinsberechtigung deutsch-jüdischer Sonderart gegenüber dem angeblich nur im Osten oder in Erez Jißroel zu findenden jüdisehen Urtypus schwer erschüttert. Als einstweiliges Ergebnis all dieser Momente steht die deutsch-orthodoxe Jugend der Nachkriegszeit vor unserem Auge. Diese Jugend! Verlieben möchte man sich in sie, wenn man sie etwa in hellen Scharen in die Lernsäle der Frankfurter Jeschiwa strömen sieht, in einem Aufzug, der gerade