Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1931-07-01 · Heft 9-10 (Juli 1931) · p. Seite 324

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 9-10 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 324 (sequence 40)
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2551369-2551387-2551395--0363-2551859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

324 das sie hineingestellt ist. Kulturwelle, soziale und Wirtschaftliehe Beziehungen verknüpfen sie unaufhörlich mit Dingen und Menschen, die der Thoratreue entgegengesetzt sind. Der orthodoxe Jude in Deutschland muß sich selbst, seinen Sabbath, seinen Beruf, seine Kinder im Zeichen des ״Dennoch“ durchsetzen. Viel Kraft muß hierzu verwandt werden, die im Osten vielfach noch dem Studium der Thora frei bleiben kann. So ist es nur eine natürliche Erscheinung, daß der Osten der deutschen Orthodoxie an Thorawissen überlegen ist. Nicht jedoch an jüdischer Bewußtheit. Das ״Dennoch“ der deutsehen Orthodoxie, ihr Abwehrcharakter, hat ihr eine Festigkeit gegen die Gefahren der Wirtschaft, der Bildung, der sozialen Zusammenhänge verliehen, die der Osten oft schmerzlieh vermissen läßt. Deutschland ist das klassische Land der Auseinandersetzung zwischen Judentum und den Strömungen der Welt geworden. Die deutsche Orthodoxie leistet hierin wertvollste Arbeit für das Gesamtjudentum. Der Osten hätte allen Grund, in ihr gewissermaßen die Avantgarde der Thora zu erblicken und zu ehren, die fortgesetzt in Kämpfen steht, die morgen schon auch auf den Osten übergreifen können, und deren Entwicklung daher vom Osten mit teilnahmevollem Interesse verfolgt werden müßte. Der Osten sollte wissen, daß keineswegs die deutsche Orthodoxie eines Tages aus freiem Enschluß ״Thora im Derech Erez“ eingeführt hat, ohne auf den Anschluß an den Osten oder auf die Rückwirkungen auf das Thorastudium bedacht zu sein, daß vielmehr Kultur und Wirtschaft über die deutsche Orthodoxie in einer Weise hereingebrochen sind, die sich, morgen schon, im Osten wiederholen kann, und daß ״Thora im Derech Erez“ im tiefsten Sinne ein Prinzip der Abwehr ist, wenn auch geniale Persönlichkeiten wie Rabbiner Hirsch das ״Dennoch“ dieses Prinzips in der schöpferischen Synthese ihres Lebens fast restlos zu überwinden vermögen. Dem Glücklicheren steht es schlecht an, sich um das Schicksal seines an der Front kämpfenden Bruders nicht zu kümmern oder ihm gar die Wunden vorzuwerfen, die er sich in diesem Kampf für das Gesämtjudentum geholt hat. — Abwehrorthodoxie: Die Abwehr richtete sich nicht nur gegen das nichtjüdische Milieu. Die fortwährenden Attentate des jüdischen Liberalismus, des Zionismus, des Misrachi, der reformierten Einheitsgemeinde auf die Thora als geltendes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.