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Nahalat tsevi · 1931-07-01 · Heft 9-10 (Juli 1931) · p. Seite 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 9-10 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 300 (sequence 16)
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300 alles angeblich Regellose, die Sensation Anlockende ״Seele“ nennen und mit Th. Lessing, Bock und anderen rufen konnte, Europa habe seine Seele verloren und gehe am Geist zugrunde. C. G. Jung, Psychol. Typen S. 431, sagt: ״Was Kant für das 10־ gische Denken nachgewiesen hat, gilt für die Psyche in noch viel weiterem Umfang. Die Psyche ist so wenig wie der Geist (das Gebiet des Denkens) tabula rasa zu Beginn. Gewiß fehlen die konkreten Inhalte, aber die Inhaltsmöglichkeiten sind durch die vererbte und präformierte funktionelle Disposition a priori gegeben. Sie ist nichts anderes als das Ergebnis der Funktionsweisen der Gehirne der Ahnenreihe, ein Niederschlag der Anpassüngsversuche und Erfahrungen der phylogenetischen Reihe. Das neu entstandene Gehirn ist also ein altes, für ganz bestimmte Zwecke hergerichtetes Instrument, das nicht nur passiv apperzipiert, sondern auch aus sich heraus aktiv die Erfahrungen ordnet.Diese Anordnungen geschehen nun nicht etwa zufällig oder willkürlich, sondern sie folgen streng präformierten Bedingungen. der Anschauung a priori. Ideen ante rem_ anererbte Funktionsmöglichkeiten, welche aber andere Möglichkeiten. in hohem Maße beschränken. Daher kommt es, daß selbst die freieste Geistesbetätigung, die Phantasie, nie ins Grenzenlose schweifen kann ... .,!sondern gebunden bleibt an präformierte Möglichkeiten .... Selbst die Bilder, die wissenschaftlichen Theorien zugrunde liegen, zeigen diese Beschränkung....“ Und Gesetz und Recht? Hier dürfen wir um ein Jahrhundert zurückblicken und Jungsche Gedanken in Goethes che Worte kleiden: ״Es ׳erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort“. Und mag auch Jung von psychischen Einzelfällen ausgehend, die nicht immer gesunde Erbanlage verraten, zu seiner Idee vom kollektiven Unbewußten oder von der Präformierung der Psyche gelangt sein und Goethe alle Rechtsvererbung mit Krankheit vergleichen, — auch hier hat die Abweichung von der Norm eben die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf das Vorhandensein einer Norm gelenkt,!wie ja auch in der körperlichen Medizin die gesunde Natur ja :meist aus Anlaß kranker Erscheinungen erforscht und erkannt wurde. Darum konstatieren wir: In der Schöpfung wurde der Gesamtmenschheit die Einsicht mitgegeben, durch die sie zum Empfang der Offenbarungen fähig gemacht wurde. Erhalten hat sich diese Fähigkeit nur im Stamme Israels. Die Funktionsmöglichkeit zum Offenbarungsempfang ist nur solange

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