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Nahalat tsevi · 1931-07-01 · Heft 9-10 (Juli 1931) · p. Seite 288

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 9-10 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 288 (sequence 4)
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265 9. Av keine Beziehung mehr. Gewiß auch der Prophet mischt merkwürdigerweise in die Elegien dieser Zeit einen Festacood; für ihn ist Erlösung, also Galuthende, dann gekommen, wenn Galuth seine Doppelmission als Schule Israels und als Schule der ■Welt efüllt hat חטא — wörtlich falsche Zielsetzung seines nationalen lnhaltens — das bekennen wir betend als Grundmotiv von Galuth, dräuend furchtbar erhob sich die Hand des Feindes gegen das Heiligtum, weil dieses schon längst aufgehört hatte, dem Volke den Inhalt seines nationalen Seins und Wollens zu bilden. Und nun sollte Israel, in seinem Volksbestand an und für sich um fast 5/6 reduziert, fast ganz aus jedem politischen Kalkül ausgeschaltet, ohne Stimme im Konzert der Völker, sogar in seinen einzelnen Volksteilen fast ohne Zusammenhang, landlos — so sollte es lernen, sich als Volk sui generis zu begreifen. Wenn?Rabbi Jochänan ben Sackäi an dieser Galuthschwelle den Versuch!machte, die Thora zum Nationalinhalte Israels zu machen, so war es nichts Neues, war es nur der Weg zum Heiligtum, der Weg zu dem Endziel, die Hand des Feindes vom Heiligtum zu lösen. Teils lockend, teils peinigend trat Galuth nun fast zwei Jahrtausende immer wieder mit der Frage an Israel, ob es nunmehr mit der!umfassenden Kenntnis der Welt in ihren Höhen und Tiefen gewillt und bereit 'sei, ein Beth Hamikdasch zur weithin sichtbaren Zentrale seiner Kultur und seines nationalen Wollens zu machen. Bisweilen versagten die Glücklichen, bisweilen die Unglücklichen. Es war also durchaus nicht Zufall, wenn der Neo-nationalismus fast explosiv mit einer Abkehr vom בית המקדש , mit einer Absage an den Nationalismus von R. Jochänan b. Sackai begann. Es war der kehr niederschmetternde Beweis, daß 2000 Galuthjahre erfolglos geblieben waren bei einem großen Teil der jüdischen Gesamtheit. Gejiau so war es nicht ästhetisches Gruseln, welches die Reform seinerzeit veranlaßte, dem בית המקדש und den קרבנות den Krieg zu erklären. Und doch obwaltet ein gewaltiger Unterschied; die Reform verzichtete bewußt auf jeden jüdischen Kulturmittelpunkt, der Neo-nationalismus aber sollte die!schwerste Frage beantworten, die Galuth überhaupt je an Israel gestellt hat. Wie wäre es denn nun, wenn Israel plötzlich wieder in den politischen Kalkül des Weltgeschehens einbezogen würde, wenn zunächst wenigstens

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