Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 280 (sequence 32)
- Belongs to
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280 aus Instinkt, jals aus klarer Erkenntnis. Irgetid etwas sträubte sich in uns, durch die Tat zu bekunden, daß religiöse Qegensätze, und wenn sie noch so groß sind, die jüdische Gemeinschaft zerreißen. Alfred: War es nicht am Ende doch die neu-orthodoxe Subjektivität der religiösen Ueberzeugung, die nicht mehr die Wahrheit als solche für sich in Anspruch nahm und darum tolerant sein konnte, ja mußte? Ich meine nur so — Hurtig: Bei manchen, vielleicht, meinetwegen bei vielen sogar. Aber gewiß nicht bei allen. Und gerade der Hauptgegner Samson Raphael Hirschs, der sogenannte Würzburger Raw, ist über einen solchen;Verdacht erhaben. Er war, mit Samson Raphael Hirsch verglichen, eher alt-orthodox. Nein, nein, das war!nicht der Kernpunkt. Was sich in uns mit aller Macht dagegen aufbäumte, 1hat, wie so vieles andere, erst der Zionismus wunderbar aufgehellt. Es war die jüdische Nation, die in unserem Herzen, wie eine verzauberte Prinzessin, schlummerte und, uns selber unbewußt, die Trennung von jüdischen Volksgenossen uns verwehrte. Die jüdische Gemeinde war uns, ohne daß wir es auch nur ahnten, letzten Endes Nationalgemeinde, sowie das Judentum nationale Einheit, die nicht einmal der schreiendste Gegensatz religiöser Ueberzeugung zu sprengen vermag. An der jüdischen Nation, die selbst den religiösen Abfall überdauert, ist Samson Raphael Hirsch gescheitert. Es ist eben nicht wahr, daß im Judentum die Religion alles ist, und daß die ,Zerreißung der religiösen Einheit die Zerreißung der Einheit des Judentums überhaupt bedeutet. י Grün: Bravo, Herr Hurtig, So deutlich und klar habe ich das von Ihnen noch gar nicht gehört. (Wird fortgesetzt.) Chronik. Gemeindewahlen in Folen. Schon die Tatsache allein, dass mehr als drei Millionen Juden sich gleichzeitig die Verwaltungsorgane ihrer Gemeinden wählten, sollte als Ereignis bewertet werden. Und man war gespannt. Denn während sonst wohl bei derartigen Wahlen persönliehe Momente stark in Erscheinung, treten, galt es im polnischen Staat einem Prinzip. Immer mehr und mehr wird die Alternative: Religions- oder