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Nahalat tsevi · 1931-06-01 · Heft 8 (Juni 1931) · p. Seite 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 8 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 279 (sequence 31)
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279 eine Fülle von Zeit, Kraft und Qeld. So groß ist die geistige Macfht der zionistischen Bewegung. Derselbe Herr Grün, der noch vor!einem Jahrzehnt sich geniert hätte, auf der Straße mit (einem Ostjuden zusammen gesehen zu werden, erkennt in ihm heute den Volksgenossen, mit dem er sich solidarisch erklärt. — Aber ist es denn mir etwa wesentlich anders gegangen? Gewiß, mir war das ״Judentum niemals einerlei, denn ich hielt die Gesetze der Thora; ich war rehgiös, wie man sagt, sogar streng;religiös. Hätte man mich aber gelegentlich einmal mit der Frage laus dem Schlaf geweckt: Jude oder Deutscher, so hätte ich entweder ein blitzdummes Gesicht gemacht oder hätte blindlings geantwortet: Deutscher. So sehr verstand ich damals noch das Judentum rein!als Religion, die nicht zum Deutschtum, sondern lediglich zum Christentum in Vergleichung gesetzt werden dürfe. Und so war auch1 mir im Grunde genommen unser körperlich-seelisches Anderssein in seiner weit über das Religiöse hinausgreifenden;Durchgängigkeit ein dunkles Rätsel, und auch ich konnte zu den Ostjuden ein richtiges Verhältnis nicht gewinnen. Selbst Zijon und Jeruschalajim war mir fast bis zur Idee, zum Symbol ,!verflüchtigt, und ich hatte beinahe vergessen, daß beides!auf der Landkarte zu finden ist. Kurzum, in all meiner Religiosität war ich1 dennoch reichlich assimiliert Alfred: N eu-orthodox? Hurtig: Ganz recht. Sie wissen also doch schon einiges — Alfred: Seit kurzem. Hurtig: Der Gründer der Neu-Orthodoxie, Samson Raphael Hirsch — Alfred: Ich denke, das ist der Gründer der separatistischen Orthodoxie? Hurtig: Ei, ei, das wissen sie auch schon? Nun wohl, desto besser, denn beides gehört zusammen! Die deutsche Neu-Orthodoxie;hat das Judentum zu einer Religion verdünnt und ist schließlich, wenigstens soweit sie Samson Raphael Hirsch folgte, ganz konsequent dazu übergegangen, aus den religiösen Gegensätzen das Recht und die Pflicht zur Spaltung der Einheit des Judentums herzuleiten. Für Samson Raphael Hirsch war dies so natürlich, wie etwa das Auseinandergehen von Katholiken und Protestanten. Wenn ich nicht irre, hat er sogar selber diese Parallele gezogen. Nun, ich und viele ander!e sind ihm hierin nicht zu Willen gewesen, aber zunächst mehr

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