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Nahalat tsevi · 1931-06-01 · Heft 8 (Juni 1931) · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 8 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 278 (sequence 30)
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Alfred: Das ist furchtbar. Grün: Nicht wahr? Dias bricht einem das Rückgrat, raubt einem die Selbstachtung und nimmt einem den Mut der Selbstbehäuptung. So wird man selber Antisemit. — Alfred: Und wie ging’s weiter? Grün: Da stieß ich auf den Zionismus. Wissen Sie, Herr Roden, es gibt Erkenntnisse, die man inur mit der Stechung des Stars!vergleichen kann. Sieht man auf einmal, so kann man sich gar nicht mehr in den früheren Zustand zurückversetzen, da!alles finstere Nacht w<ar. So ging es mir mit dem Zionismus. Plötzlich war ׳mir alles klar. Und das Merkwürdigste ist, daß mir nachträglich das ganze wie eine Selbstverständlichkeit vorkommt. Nur ganz großen Menschen ist es vergönnt, etwas zu finden und auszusprechen, was so wahr ist, daß man hinterher picht versteht, wieso׳ man es nicht selbst hat entdecken können. Zu diesen wenigen ganz großen Menschen gehört Theodor JHerzl, der Entdecker der jüdischen Nation. Daß die jüdische Nation nicht nur der Vergangenheit angehört, sondern daß sie auch eine Zukunft, ja noch mehr, daß sie auch eine Gegenwart hat, daß die Zerstreuung der Juden nationale Zerstreuung,;ihr Leiden nationales Leiden, ihr Anderssein nationales Anderssein, daß das Golus nicht das Ende der Nation, sondern nationale Krankheitserscheinung ist: wie einfach klingt das alles heute, da die geschichtliche Entwicklung von Herzl bis Balfour längst die Bestätigung gebracht hat; aber welch genialer Blick war vonnöten, den durch Krankheit völlig entstellten jüdischen Volkskörper;als nationalen zu diagnostizieren,!und welch genialer Mut gehörte dazu, hinter dem nationalen Scheintod noch nationales Leben zu ahnen, an nationale Lebensfähigkeit zu jglauben und den Weckruf zur nationalen Tat in die Welt hinauszustoßen. Mir ist der Zionismus der Sinn meines Lebens geworden. Die jüdische Nation ist nicht wie die englische und nicht!wie die deutsche, denn sie ist krank, durchaus krank. Gibt es etwas Höheres für leinen Juden, als an der Genesung seiner Nation zu arbeiten? Und trüge ich selbst nur das Winzigste dazu;bei: ich hätte nicht umsonst gelebt. Hurtig: Glücklich die Ohren, die solches hören. Und bedenken Sie doch, Herr Roden, daß bis zum Emporkommen des Zionismus Herr Grün den jüdischen Dingen völlig gleichgültig gegenübergestanden hat. Heute opfert er dem Judentum

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