Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 276 (sequence 28)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551394--0310-2551805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
276 sie direkt vermissen, wenn wir sie nicht hätten. Nur muß sie sich natürlich dem Rahmen des Ganzen einfügen und darf nicht etwa!über den Rahmen hinaus stets nach Rom schielen. Womit ich nichts weiter gesagt haben will. Alfred: Neulich glaube ich aber doch gehört zu haben, daß dem Zionismus Religion Privatsache sei? Hurtig: Das war nur im ersten Sturm und Drang. Unser unvergeßlicher Herzl konnte es sich zunächst nicht anders denken. Je inniger er aber mit dem Osten in Berührung kam, umso mehr 'lernte er die gewaltigen religiösen Kräfte der Ostjuden!schätzen und anerkennen. Und alsdann war es gerade das!historische Verdienst des Misrachi, dem alten Judentum in der Renaissancebewegung des jüdischen Volks — und das ist ja der Zionismus — Platz und Anteil gesichert zu haben. Grün : Ich muß in der Tat auch von meinem religiös durchaus liberalen Standpunkt vollkommen zugeben, daß der Misrachi ein notwendiger Bestandteil des Zionismus ist, der den Aufbau des jüdischen Volks zum Ziele hat. Konservatismus und Liberalismus sind zwei Grundstimmungen der Volksseele, die unbedingt im Zionismus zum Ausdruck gelangen müssen, wenn er!wirklich das ganze jüdische Volk erfassen will. Weder Ballast :noch Dampf kann das Schiff entbehren, wenn es sicher fahren soll. Ballast und Dampf aber müssen beide dem Schiff dienen und dürfen nicht Selbstzweck sein. Alfred: Wer ist das Schiff? Grün und Hurtig: Die jüdische Nation! Alfred: Ist die jüdische Nation Selbstzweck? Grün: Unbedingt! Alfred: Auch für Sie, Herr Hurtig? Hurtig: In gewissem Sinne: ja! Von den Vorschriften der Thora heißt es, daß der Mensch sie übt und durch sie!lebt. Schon das Leben des einzelnen Menschen erscheint hier als Zweck der Thora; geschweige denn das Leben der ganzen Nation. Alfred: Ich könnte mir eigentlich weit besser vorstellen, daß das Leben des Einzelmenschen der Zweck der Thora ist, als das Leben der Nation. Grün: Sind;Sie ein solcher Individualist? Steht Ihnen di;e Nation nicht höher, als der Einzelne?