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Nahalat tsevi · 1931-06-01 · Heft 8 (Juni 1931) · p. Seite 275

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 8 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 275 (sequence 27)
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215 und nach Ihrem Programm die Herrschaft der Thora errichten, mich wegen Sabbathentweihung die ganze Härte des Oesetzes fühlen zu lassen. Hurtig: So weit halten wir noch nicht. Bis dahin werden Sie längst zu uns zurückgekehrt sein. Grün: Mag sein. Jedenfalls ersehne ich mit vollem Herzen den Tag, da ich mich vor einem jüdischen Staatsgericht in Erez ,Jißroel zu rechtfertigen hätte. Alfred: Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Zionist und Misrachist? Grün: Darf ich, nach jüdischer Art, eine Gegenfrage stellen: Worin besteht der Unterschied zwischen einem Deutschen und jeinem katholischen Deutschen? Hurtig: Dem möchte ich doch nicht ohne weiteres beistimmen. Nicht jeder Katholik ist ein Deutscher, aber die jüdische Nation und die jüdische Religion sind nicht von einander zu trennen. Wenigstens der Idee nach. Grün: Sehen Sie, Herr Roden, da haben Sie den Unterschied. Für mich ist die Religion nur eine, wenn auch sehr wesentliche, kulturelle Lebensäußerung der jüdischen Nation, wie etwa die alten Griechen eine besondere Begabung für Kunst und Philosophie aufwiesen. Herr Hurtig hingegen kann sich die jüdische Nation ohne die Thora nicht denken. Hurtig: Sehr richtig. Alfred: Kann ich, ohne indiskret zu sein, mir die Frage erlauben, ob Herr Hurtig orthodox ist? Hurtig: Das Wort orthodox ist unschön. Es ist eigentlieh ein Schimpfwort aus der Zeit der Reform. Ich lasse mich nicht gern so nennen. Immerhin aber darf ich für mich in Anspruch nehmen, daß ich mich bestrebe, nach den Gesetzen der Thora zu leben. Grün: Das kann ich bestätigen. Hurtig ist durch und durch klerikal. Hurtig: Mein lieber Herr Grün, klerikal klingt noch viel schlimmer als orthodox. Grün: Aber politisch betrachtet, ist es doch so. Warum sollen wir übrigens nicht, gleich den anderen Nationen, eine klerikale Partei haben? Es wäre doch sonderbar, wenn sie gerade bei der jüdischen Nation, der Nation der Bibel, fehlte! Ich1 Wabe nicht das mindeste dagegen einzuwenden. Ich würde

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