Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 274 (sequence 26)
- Belongs to
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374 zwei bedeutenden Sendboten der Bewegung, Grün und Hurtig, in Berührung. Sein Vater hatte sie, höflich wie immer, zu Tisch gezogen, und die Unterhaltung hatte sich, übrigens in leichter Form, vornehmlich darum bewegt, ob die Förderung der Sache ein Bekenntnis zum Zionismus bedeute, ob sie nicht der Stellung der Juden in Deutschland Abbruch tun könne und ob sie praktisch durchführbar sei. Die Herren hatten mit Nachdruck betont, daß das neue Palästina in erster Reihe den unglücklichen Ostjuden zugute kommen solle, denen der Boden unter den Füßen brenne und kaum ein anderes Land mehr offen stehe, daß man diesen Zweck aus vollem Herzen fördern müsse, auch wenn man im übrigen durchaus kein Nationaljude isei, daß selbst die deutsche Regierung ihre Sympathie offen zu erkennen gegeben und damit allen antisemitischen Mißdeutungen die Möglichkeit entzogen habe und daß schließlich die praktische Durchführbarkeit gerade davon abhänge, ob Persönlichkeiten wie der verehrte Gastgeber für die große Sache erwärmt und zu tätiger Mitarbeit gebracht werden könnten. Das Wort hatte hauptsächlich Grün geführt, während Hurtig, der erst zum Nachtisch erschienen war, sich mehr darauf beschränkte, Grün zu sekundieren und auch Alfreds Interessle zu erwecken. Der Bankdirektor schien allmählich nicht abgeneigt, den Herren in gewisser Hinsicht willfährig zu sein, und so hatte man die Tafel in gehobener Stimmung beendet. Der Bankdirektor entschuldigte sich alsdann wegen dringender Berufsgeschäfte, nicht ohne jedoch eine weitere, vermutlich ergebnisvolle Besprechung in nahe Aussicht zu stellen. Unterhalten Sie sich noch ein wenig mit meinem Sohn, bemerkte er lächelnd im Fortgehen, er will gern mehr vom Judentum wissen, als ich ihm bieten kann. Ob dem wirklich so׳ sei, fragten die Herren. Und als Alfred errötend bejahte, erklärten sie sich gern zu seinen Diensten. Grün: Zunächst darf ich einmal vorausschicken, daß Herr Hurtig Und ich selber durchaus nicht in jeder Hinsicht einer Meinung sind. Herr Hurtig ist nämlich Misrachist, während ich auf dem linken Flügel des Zionismus stehe und leider vom orthodoxen Standpunkt ein arger Sünder bin. Hurtig: Aber doch ein guter Jude. Grün: Sehr liebenswürdig, Herr Hurtig. Das wird Sie aber nicht hindern, wenn wir einmal unseren Staat haben