Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 272 (sequence 24)
- Belongs to
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nn Gesetz zu erblicken. Sie ergibt sich für Rosenzweig zwangsläufig aus dem methodologischen Standpunkt. Ihm gilt die Einheit des Alls, die der Idealismus als gegeben vorauss!etzt, als ein Werden zur Einheit, das erst vollendet wird an jenem Tage, da Gott einzig und sein Name einzig ist. Dieses Werden vollzieht sich, indem der Mensch, vermöge des von Gott geoffenbarten Gesetzes, die Welt der Erlösung entgegen- und solchermaßen zu Gott zurückführt. Das Gesetz ist das Mittel und der Mensch das Organ der erstrebten Einigung. ״Jede Erfüllung eines Gesetzes vollbringt ein Stück dieser Einigung“, wie dies in der Formel, mit der die Erfüllung des Gesetzes eröffnet wird, zum Ausdruck kommt und zu einem Akt der Herbeiführung der Erlösung gestempelt wird: לשם יהוד ק,־דשא ב״ה ושנינתיה. Es ist nun (nicht zu leugnen, daß diese Auffassung vom Gesetz an sich richtig ist, aber lediglich insoweit sie die natürliche Folge der iGesetzeserfüllung aufweist!und nicht ihr Motiv. Denn das Motiv ist von jeder teleologischen Zweckbestimmung losgelöst. Je reiner der Pflichtcharakter der sittlichen Handlung als מצות המלך zum Ausdruck kommt, umso höher steigt ihr mor,alischer Wert.גדול מצוה ועושה. Nicht indem sie als naturnotwendiges Hilfsmittel oder als schöpfungsmäßige, eingewachsene!Eigenschaft in den Ablauf der Zeiten eingeordnet wird, gewinnt sie ihren höheren ethischen Charakter, sondern indem sie in jedem Moment mit ihrem göttlichen Imperativ an den freien Willen des Menschen herantritt, der sie lediglich aus Gehorsamsbewußtsein verwirklicht. Sofern also die Antwort des Verfassers den von ihm aufgeworfenen Fragen gelten soll: ״Was bedeutet dem Juden die Erfüllung des Gesetzes? Was denkt er sich dabei? Weshalb erfüllt er’s?“ vermag sie nur teilweise zu befriedigen. An dieser Stelle glauben wir eines anderen Versuches zur philosophischen Begründung des Judentums Erwähnung tun zu müssen, in!dem gerade diese gefährliche Klippe umgangen ist. Wir meinen Isaac Breuers: ״Die Welt als Schöpfung und Natur“. Auch hier entrollt sich vor unseren Augen ein geschlossenes Weltbild, das nicht minder das Weltbild des Judentums sein soll. Während aber bei Rosenzweig die ״Einigung“ der Elemente in Gott im ״Werden“ des Weltgeschehens herbeigeführt wird, vollzieht sich bei Breuer durch Ueberwindüng der Spannung zwischen Sein und Sollen, zwischen Natur und Schöpfung. Hier ist die Rolle des Gesetzes nicht mehr die