Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 271 (sequence 23)
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271 thetisch beleuchtet, das Christentum, das den gekommenen Messias den Menschen zu eigen machen will, und das Judentum, das sie auf den kommenden vorbereiten will und die Zukunft des Reiches, die ״Erlösung“, in seiner Liturgie und in den Qedenktagen des Festjahres vorausgreifend erlebt. Dann aber wirft R. zum Schluß die Frage nach der Wahrheit auf und findet in übergroßer Selbstverleugnung, daß ״die ganze Wahrheit weder ihnen noch uns gehört, daß wir beide nur teil an der ganzen Wahrheit haben“, aber gleichwohl den ״Anteil, an den man sich hält, für die ewige Wahrheit erkennen und darum bewähren muß“. Im Rahmen dieses kurz skizzierten Systems zeigt es sich nun, daß der im ״Stern der Erlösung“ erscheinende Begriffskomplex den Maßstab für die Beurteilung aller Formen geistesgeschichtlicher Oedankenbildung abgibt. In eingehenden und überaus aufschlußreichen Darlegungen wird zu ihnen Stellung genommen. Ja es gibt kaum ein Gebiet der Weltbetrachtung, das im Lichte dieser Philosophie nicht sinnvoll und erklärbar würde. Und gerade dies ist es, worauf es R. ankommt. Denn gelingt es, unter dem Gesichtswinkel jener Elemente des ״Sternes“ die Totalität des Seins vollständig zu erfassen, die Gesamtheit aller Erfahrung und alles Erlebens zu überblicken und zu deuten, so ist die Realität dieser Elemente, anfänglieh nur als Hypothesen gesetzt, damit erwiesen. Wenn ohne die Prämissen das Weltganze nicht verständlich wird, so müssen diese,!um der Vernunft schlechthin willen, um den Sinn des Daseins und das Weltbild zu vollenden, postuliert werden. Freilich haftet dieser Argumentierung insbesondere mit Hinblick auf die supranaturale Offenbarung die Schwäche und und Unzulänglichkeit eines jeden indirekten Beweises an. Gerade sie wird wohl kaum ihres dogmatischen Charakters je entkleidet werden können. Darüber hinaus bietet aber diese Philosophie des Seienden keinerlei Gesichtspunkt, aus dem die überlieferte Wesensart des Offenbarungswortes an die Propjheten sowie der mündlichen Fortsetzung der Sinai-Offenbarung zu erweisen wäre. Tatsächlich hat sich R. in seinen späteren Schriften vom Grundprinzip der .Verbalinspiration losgesagt, was bereits im ״Stern“ an mehreren Stellen deutlieh wird. Hier besteht ein unüberbrückbarer Gegensatz. Der zuverlässige Prüfstein aber für den Wahrheitsgehalt jedes Systems jüdischer Philosophie ist in der Stellung zum