Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 266 (sequence 18)
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266 So wurde durch etwa fünf Jahrzehnte ein friedliches Zusanunenarbeiten innerhalb der Gemeinde ermöglicht. IV. Der entscheidende Wendepunkt für die ganze Entwicklung ergab sich daraus, daß die neue Reichsverfassung das Besteuerungs recht Religionsgesellschaften einräumte. Befremdenderweise nahm die Gemeinde durchaus zu Unrecht das Besteuerungsrecht für ■sich in Anspruch, durch das sie aus rein finanziellen Gründen mit einem Schlage aus ihrer relativen Bedeutungslosigkeit in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens rückte. Rechtlich steht!aber dieses Besteuerungsrecht auf außerordentlich schwachen Füßen, da ja die Gemeinde nach ihrer Verfassung alles andere eher als eine Religionsgesellschaft ist. Man hatte ja gerade alle rein religiösen Angelegenheiten aus ihrem Wirkungskreis eliminiert. Daher setzen jetzt systematisch die Bestrebungen ein, die Gemeinde wieder in eine Religionsgesellschaft zurückzuverwandeln. Man stellte sich unter bewußter Uebergehung der ganzen historischen Entwicklung auf den Standpunkt, daß die Gemeinde sich des Kultus’ überhaupt niemals begeben, daß vielmehr sie den Synagogenverband als einen von ihr abhängigen Verband mit der Betreuung des Kultus’ beauftragt habe. Dementsprechend versucht man ,systqmatisch, den Synagogenverband in Abhängigkeit von der Gemeinde zu bringen. Die Gemeinde maßt sich das Recht an, die Statuten des Synagogenverbandes bei Abänderungen zu genehmigen, obwohl ihr dieses Recht nachweislich nie zugestanden hat. Diese Bestrebungen fanden leider eine ganz wesentliche Unterstützung dadurch, daß orthodoxe Kreise unter völliger Verkennung der besonderen Hamburgischen Verhältnisse sich dafür einsetzten, den Achduthgedanken gemeindekonservativer Prägung nach Hamburg zu verpflanzen. So wurde von zwei Seiten her systematisch daran gearbeitet, die Torso- Gemeinde in eine Einheitsgemeinde unter vollständigem Bruch mit dem bewährten Hamburger System umzugestalten. Hieraus erklärt sich!auch das immer deutlicher zutage tretende Verlangen, der geschilderten atomistischen Struktur der sonstigen Verwaltungsgebiete ein Ende zu machen. Auf dem Gebiete des Schulwesens wird die 40 Jahre bestehende orthodoxe Mädchenschule solange mit allen Mitteln bekämpft, bis sie nach heldenhafter Gegenwehr schließlich die Pforten