Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 8 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 265 (sequence 17)
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265 nur für Mädchen. Jedoch wurde auch1 hier eine selbständige höhere Töchterschule ins Leben gerufen, welche unabhängig von der Gemeinde geleitet wurde und annähernd 40 Jahre bestanden hat. Das Begräbniswesen untersteht der Gemeinde ebenfalls nicht vollständig. Mit Rücksicht auf halachische Bedenken wurde unter Führung von Oberrabiner Stern s. A. ein unabhängiger Begräbnisplatz in Langenfelde auf preußischem Gebiet erworben, welcher einer selbständigen Verwaltung untersteht. Das Gebiet der besonderen jüdischen Armenfürsorge ist ebenfalls nicht einheitlich zusammengefaßt. Es bestehen eine Reihe selbständiger Anstalten mit eigenen Statuten, welche von der Gemeinde nur subventioniert werden, so insbesondere das Krankenhaus, das Knabenwaisenhaus, sowie ferner milde Stiftungen, welche lediglich der Verwaltung der Gemeinde un-!erstellt sind. Die für die Gemeindeverwaltung erforderlichen Mittel werden durch eine Gemeindesteuer aufgebracht. Jedem Gemeindeangehörigen steht das Recht zu, zu bestimmen, daß 10 0/0 von seiner Steuer dem Kultusverband ausgezahlt werden, dem er angehört. Die Kultusverbände erheben außerdem von ihren Mitgliedern Beiträge. III. Durch die im Vorstehenden skizzierte Aussonderung des Kultus aus den Gemeindeaufgaben und die Atomisierung der sonstigen Verwaltungstätigkeit war die Bedeutung der Gemeinde für das jüdische Leben Hamburgs ganz außerordentlich gesunken. Die Gemeinde hatte den Charakter eines rein verwaltungsmäßigen Wohlfahrtsverbandes eines großen Teils der Hamburger Juden, so wie die liberalen Kreise es angestrebt hatten. Diese relative Bedeutungslosigkeit der Gemeinde macht es verständlich, daß weite Kreise der Gemeinde überhaupt nicht angehörten. Die eigentliche Kehillo im jüdischen Sinne sah man auf orthodoxer Seite ausschließlich im Synagogenverband, dem man angehören konnte, ohne Mitglied der Gemeinde zu sein. Auch die Reibungsflächen zwischen Liberalen und Orthodoxen innerhalb der Gemeinde waren durch diesen Aufbau naturgemäß auf ein Mindestmaß zurückgeführt, wobei hervorzuheben ist, daß die Liberalen in Hamburg von jeher weitgehendes Verständnis für die religiösen Forderungen der Ortho»- doxen;bewiesen haben.