Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 249 (sequence 35)
- Belongs to
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249 Gesellschaft ab. Samson Raphael Hirsch trat an die Öffentlichkeit, weil er sah, dass die Thora unter den ihr Tieuen einen immer mehr theoretischen Charakter angenommen und sich praktisch in der Hauptsache auf Sabbat, Speisegesetze, Synagoge zurückgezogen hatte. Die Thora-Atmosphäre erfüllte nur noch bestimmte gehobene Tage und an den gewöhnlichen Tagen bestimmte gehobene Momente. Die Emanzipation hatte das jüdische Milieu geborsten und dem Einströmen fremder Gedankenwelten Raum gegeben. Es galt nun, die Thora wieder zum leben gestaltenden Faktor zu machen. Nichts anderes aber ist die Devise ״Thora im derech erez״, die Samson Raphael Hirsch wieder aulpflanzte. Die Thora muss das gesamte Leben mit allen Beziehungen zur Menschheit, in der auch der thoratreue Jude ein Glied ist und deren geistige Zeitströmungen auch auf ihn Einfluss zu üben suchen, umfassen. Es gilt, von der Warte der Thora Distanz zu nehmen zu den Yeränderungen der geistigen Struktur der Menschheit, damit man in seinem gesamten Denken und Tun klar bewusster Thorajude sei und nicht der Gefahr der Assimilierung an nichtjüdische Gedankenwelten erliege. Samson Raphael Hirsch hat auf eine ethische und geistige Elite der thoratreuen Judenheit des Westens gewirkt und ihr Emporarbeiten zu seiner Parole manchmal mit vollem Erfolge erreicht. Glieder dieser Elite sind in einer Anzahl Fällen die motorische Kraft für eine ganze Gemeinde von Thoratreuen geworden. Dies ist ein glänzendes Resultat, denn es bietet die Bürgschaft der richtigen Parole, unter deren Banner mit Erfolg organisatorisch weiter gebaut werden kann, — und die Führung in diesem Weiterbauen hat. nun die vor kurzer Zeit gegründete Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft zur Aufgabe. * * Wer in der jüdischen Welt herumkommt und sich dafür interessiert, wieweit sich die Bekanntschaft mit den Hirsch’schen Werken erstreckt, wird immer wieder auf geistig interessierte religiöse Persönlichkeiten stossen, denen Hirsch und seine Schöpfungen unbekannt geblieben sind. Aber auch au>serhalb der traditionell gesinnten Kreise in geeigneter Auswahl die Hirsch’schen Schriften zu verbreiten, kann nur von einer für das Verständnis dessen, was wirklich der Sinn des Judentums ist, fördernden Bedeutung sein. Vor allen Dingen müsste in einer billigen Volksausgabe ein Neudruck der ״Neunzehn Briefe“ erscheinen, verbunden mit einer Hirsch Biographie, die Hirsch auf dem Hintergrund seiner Zeit vorführt und das Besondere seiner Werke begreifen lehrt. Bei der Neuausgabe der ״Neunzehn Briefe‘* wäre es wünschenswert, dass überall dort, wo nach einem abgeschlossenen Satz ein Gedankenstrich steht, ein Absatz gemacht wird, die bisher alleinigen Absätze aber durch weitere Entfernung der Zeilen gekennzeichnet werden. Auf diese Weise wird das Buch auch für die Masse derer, die nicht auf ernst und tief behandelte Gedanken eingestellt sind, durch leichtere Lesbarkeit zugänglich. Des ferneren wäre es ratsam, aus den ״Gesammelten Schriften“ geeignete Monographien als Einzeldrucke erscheinen zu lassen. Es sei z. B. auf die Aufsätze ״Das jüdische Weib“ hingewiesen. In den dickleibigen ״Gesammelten Schriften“ bleibt eine solche Arbeit Tausenden verschlossen, die nach einer besonderen Ausgabe ״Das jüdische Weib“ greifen würden. ״Das jüdische Weib“, propagiert durch d,e orthodoxen Frauenvereine, würde eine Aufklärung von weitgehendster Bedeutung veranlassen. Diese populären Ausgaben sollten nicht nur deutsch, sondern auch hebräisch erscheinen, letzteres speziell in der Absicht, von dem hebräisch sprechenden jüdischen Palästina gelesen zu werden. Vielleicht wäre auch hier der Einfluss ein ungeahnter. Schwierig erscheint unter den heute obwaltenden Verhältnissen der finanzielle Gesichtspunkt. Um im Interesse des Absatzes die Preise möglichst niedrig zu stellen, sollte zu deo Druckkosten ein Zuschuss ä fonds perdu gegeben werden. Da geht es eben nicht ohne die Bereitwilligkeit einer Anzahl Thoratreuer, die, da sie noch nicht wie so viele verarmt sind, Gott besonders dankbar sein müssen.