Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 34)
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245 tums gekennzeichnet, steckt!seit mehr als einem halben Jahrhundert wie ein Pfahl im wunden Fleisch der deutschen jtidischen Orthodoxie und hat sie geradezu zu einem Tummelplatz des widerlichsten Gezänks werden lassen, das die Stimme der Religion, ja vielfach selbst die Stimme der allgemein menschlichen Ethik völlig übertönt. Alles in allem: eine höchst abstoßende,!widerliche Erscheinung. Diese Menschen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.-— Aber lassen wir das. Sprechen wir lieber von Ihnen. Wie wollen wir verbleiben? Alfred: Ich weiß nicht. Es ist alles so traurig. Seelenfreund: Mut, junger Mann. Sie sind nicht der erste, der vor dem Scheideweg steht. Alfred: Mut? An Mut fehlt es mir nicht, weder zum Abbrach noch zum Aufbruch. Nur vermesse ich mir nicht, selber den rechten Weg finden zu können. Ich hatte gehofft, daß das Judentum mich führen könne. Wozu sonst wäre ich1 denn Jude? — Aber anscheinend ist es das Los des modernen deutschen Juden, das Judentum erst suchen zu müssen. Seelenfreund: Ist das so schlimm? Alfred: Altes Judentum, Reform, liberales Judentum, Neu- Orthodoxie, Separatisten: Ich habe doch manches von Ihnen gelernt, Herr Doktor. — Und wo ist der Gott des Judentums? Seelenfreund: In Ihnen. Alfred: Ja ja-. Nochmals vielen Dank, Herr Doktor. Seelenfreund: Auf baldiges Wiedersehn! Nächsten Samstag predige ich übrigens. (Wird fortgesetzt.) Zur Gründung der Rabbiner«Hirsdi ׳ Gesellschaft. Von Sa\y Geis, Tel-Awiw. Der mit Herz und Seele Thoratreue wird im gesellschaftlichen Verkehr mit Juden seiner Anschauungsspkäre nach der Gelegenheit suchen, sich über Judentumsfragen zu unterhalten. ״Wenn die Gottesfürchtigen miteinander Rede pflegen, dann merkt Gott auf sie“. Damit es um unsere jüdischen Interessen besser werde, ist es nötig, wenigstens mit dem gleichen Ernst, den man irgend einem materiellen Erwerb zuwenden würde, sich um das Gegenwartsschicksal des Judentums zu sorgen und seine Bessergestaltung aktiv zu erstreben. Hierzu aber bedarf es der Zusammenarbeit gleich gesinnter Weggenossen. Es gibt derartige Vereinigungen, so z. B. Agudas Jisroel, Aulim — und nunmehr auch die Rabbiner-Hirsch-Geselischaft. Von letzterer soll hier die Rede sein. Zunächst harrt die Vorfrage nach der Bedeutung Rabbiner Hirschs der Beantwortung, denn hiervon hängen Zwecke und Ziele der Rabbiner-Hirsch-