Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 247 (sequence 33)
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247 Viel von sich reden macht auch eine Gruppe, die zwar erklärt, eine!durchaus separatistische Ueberzeugung zu haben, dabei aber ausdrücklich betont, daß auch der antiseparatistische Standpunkt ,religionsgesetzlich möglich!sei, weil er sich auf vollwichtige Autoritäten stützen könne. Wie gesagt, eine höchst komplizierte Geschichte, die einer gewissen Komik nicht entbehrt, wenn man bedenkt, daß die ganzen Separatisten an Zahl nur!gering sind. Meines Erachtens sind sie in voller Zer- Setzung begriffen. Die Forderung der Trennung von der mit liberalen Institutionen versehenen Muttergemeinde hat unter den deutschen Juden niemals recht Wurzel fassen können. Vom :alt-orthodoxen Standpunkt eigentlich eine Selbstverständlichkeit, :mußte sie von Anbeginn daran scheitern, daß die deutschen Juden, auch soweit sie sich orthodox nennen, dennoch dem Einfluß der Reform sich nicht haben entziehen können und im günstigsten Fall eben — neu-orthodox sind. Das hat der Gründer des Separatismus nicht genügend in Erwägung gezogen. Alfred: Wer ist der Gründer des Separatismus? Seelenfreund: Samson Raphael Hirsch. — — Ist Ihnen der Name schon einmal begegnet? Alfred: Nein. Seelenfreund: Eine merkwürdige, höchst eigenartige Persönlichkeit, die, wie keine zweite, berufen gewesen wäre, das deutsche Judentum zu reformieren. Deren ganzes Streben eigentlich in nichts anderem bestand, als das alte, das befehlerisehe Judentum den deutschen Juden erlebbar zu machen. Und die dennoch, bei alldem, zum mindesten subjektiv, nicht um Haaresbreite vom alten befehlerischen Judentum abgewichen zu sein, für sich in Anspruch nahm. Die Quadratur des Zirkels. Zweifelsohne eine Persönlichkeit von hinreißender Kraft. Er schuf sich eine Anhängerschar, die er, wie sich selbst, für durchaus alt-orthodox hielt. Doch als er, am Abend seines Lebens, mit der Forderung der Separation hervortrat, die für ihn gewissermaßen das Schiboleth der Alt-Orthodoxie war — sehr verständlich übrigens —, mußte er die schwerste Enttäuschung seines Lebens erfahren: die meisten versagten ihm die Gefolgschaft. Sie waren eben doch nur — neu-orthodox. — — — Die Forderung Samson Raphael Hirschs, von ihm mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit erhoben und als unerläßliche Konsequenz der Objektivität des Juden-