Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 246 (sequence 32)
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246 der Gemeindevorstand von ihm forderte, daß er neben sich1 einen liberalen Rabbiner dulde. Sehen ,Sie, das ist echt altorthodox. In den!Augen meines alt-orthodoxen Amtsvorgängers war ich in der Tat ein Verführer und Verleiter, auf den er aufrichtigen Herzens alle Flüche des Himmels herabflehte, und mit dem er sich niemals an einen Tisch gesetzt hätte. Aber diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute finden sich die Neu-Orthodoxen meist mit der Gegenwart und den liberalen Institutionen und Rabbinen ab und beruhigen ihr Gewissen, indem sie, falls es ihnen, namentlich gegenüber den Separatisten, angebracht erscheint, laut verkünden, daß sie die Hoffnung keines1wegs aufgeben, wir Liberalen würden uns noch dereinst zu ihrer Neu-Orthodoxie bekennen. Nun, diese Hoffnung stört mich nicht, solange sie die Neu-Orthodoxen nicht verhindert, auch uns den Platz an der Sonne zu gönnen. Zudem könnte ich ja namens des Liberalismus eine ähnliche Hoffnung aussprechen. Aber dazu habe ich keinen Anlaß, solange ich' nicht von liberalen Separatisten angefeindet werde. Alfred: Was versteht man unter Separatisten?;Seelenfrend: (Das sind nun wirklich solche Juden, die eine Sondergemeinde gebildet haben, weil sie in einer Gemeinde, die liberale Institutionen eingeführt und einen liberalen Rabbiner angestellt hat, freiwillig nicht verbleiben wollen. Alfred: Auch wenn die Gemeinde daneben orthodoxe Institutionen unterhält? Seelenfreund: Auch dann. Wenigstens soweit die echten Separatisten in Betracht kommen. Alfred: Also sind wohl die Separatisten die eigentlich Orthodoxen alten Schlages? Seelenfreund: Das kann man nun auch wieder nicht ohne weiteres Sagen. Das ist eine sehr komplizierte Sache. Es gibt Separatisten genug, die für sich selbst durchaus neu-orthodox sind, ja die;es sogar für sich selbst mit dem Gesetz Mosis gar nicht |so genau nehmen. Und nur in der Gemeinde wollen sie keine liberalen Institutionen dulden. Gegen sich und andere höchst tolerant, wollen sie nur von Gemeinde wegen keine Toleranz geübt wissen. Es gibt auch solche, die der Muttergemeinde und der Sondergemeinde zugleich angehören. Dann gibt es auch welche, die in den Separatismus einfach hineingeboren sind, ihn gewissermaßen auf dem Wege der Erbschaft übernommen haben, ohne sich überhaupt etwas dabei zu denken.