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Nahalat tsevi · 1931-05-01 · Heft 7 (Mai 1931) · p. Seite 244

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 7 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 244 (sequence 30)
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244 bruch kommen soll, wie wir ihn in Deutschland am Beginn des 19. Jahrhunderts erlebt haben. Nicht Rückkehr zum naiven, gefühlsmäßig erfaßten Judentum für den Westen, sondern Ent- Wicklung zum sinn- und verstandesmäßig erfaßten Judentum für den Osten, das ist der Weg, der eingeschlagen werden muß, um den Juden die תורה zu erhalten. Und das scheint mir Grund genug, um in dieser Zeitschrift die Skizzierung des Bildungsideals S. R. Hirschs זצ״ל zu rechtfertigen. Der neue Kusari. Von Dr. Isaac Breuer (4. Fortsetzung) Seelenfreund: Die orthodoxen Juden nennen sich am liebsten gesetzestreu. Sie wollen natürlich damit sagen, daß wir dem Gesetze Mosis untreu geworden seien. Nun, ich habe Ihnen ja bereits erklärt, daß dies nicht zutrifft. Das Gesetz achten auch wir, aber eben nur als Reiigionsgesetz, und daher jnur insoweit, als es heute noch erlebbar ist. Die gleiche Einstellung finden Sie aber auch bei den orthodoxen Juden. Ich will gar nicht von denen sprechen, deren religiöse Uebungen hauptsächlich auf Pietät, Gewohnheit oder Bequemlichkeit be- Hüben; auch von denen nicht, die einfach deshalb orthodox sind,;weil ihre Dummheit sie daran hindert, liberal zu sein. Allein selbst bei den Besten unter ihnen fällt jener charakteristisehe Gegensatz zwischen Glauben und Wissen auf, der deutlich erkennen Jäßt, daß zum mindesten der Intellekt sich von der objektiv gewordenen Religion abgelöst und befreit hat und seine eigenen Ansprüche erhebt. Ganz nach dem Vorbild der von ihnen verlästerten Reform suchen auch sie sich durch das — Erlebnis zu helfen. Oft übrigens reden sie sich nur ein, orthodoxes Judentum zu erleben. Ich stelle mir das nämlich gar nicht so einfach vor. Aber immerhin muß ich sagen, daß, wer!den Verpflichtungsgrund zu seinem Gesetzesgehorsam ganz bewußt nicht imehr außer sich, sondern in sich hat, kaum mehr als wirklich orthodox angesprochen werden kann. Letzten Endes kommt dann!alles auf den Intensitäts- oder auch Extensitätsgrad des persönlichen Erlebnisses an, und man hat nicht *) Vgl. Heft 2, 4/5 u. 6.

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