Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1931-05-01 · Heft 7 (Mai 1931) · p. Seite 243

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 7 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 243 (sequence 29)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551387-2551393--0272-2551766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i43 jüdischen Bildung“, in denen die engen Beziehungen zwischen allgemeiner und jüdischer Bildung im einzelnen ausgeführt werden. Auch das mag noch gesagt werden, daß hier noch viel Arbeit zu leisten ist, daß unsere jüdischen Schulen in Deutschland noch längst nicht diese Beziehungen der allgemeinen zur jüdischen Bildung in genügendem Maß hergestellt haben. Ob freilich S. R. Hirsch זצ״ל selbst mit seinem Schulwerk wirklich das erreicht hat, was ihm im Chaurew vorgeschwebt hat, näm!- lieh!eine durchdringende jüdische Bildung, für welche die allgemeine Bildung nur Hilfsmittel ist, das erscheint mir לפע״ד doch etwas zweifelhaft. Mir scheint doch, daß in dem jüdischen Schulwesen, wie es sich nach dem Vorbild der Frankfurter, von ihm geschaffenen Schule in Deutschland entwickelt hat, die jüdischen Wissenszweige nicht die ihnen gebührende Stellung einnehmen. Letzten Endes ist die höhere Schule, wie sie besteht, doch ein Kompromiß zwischen den Forderungen des Judentums und des Staates, und als Kompromiß kann sie nicht dem Ideal der jüdischen Vorbildung entsprechen, wie es 'S. R. Hirsch זציל vorgeschwebt hat. Nur wenn die Lernzeit auf der jüdischen Schule durch intensives למוד תורה daneben und danach ergänzt wird, kann das Bildungsideal S. R. Hirschs wirklich erreicht werden: nämlich die Heranbildung von bewußten Volljuden, die auf der einen Seite den Qeist der תורה, den Sinn der göttlichen Gesetze voll erfaßt haben, die auf der anderen Seite zwar an der Kultur der Umwelt teilnehmen, die aber auch diese Teilnahme nur zur tieferen Erfassung der göttlichen Lehre führt. Man glaubt in!neuester Zeit — beeinflußt durch die Berührung |mit der ostjüdischen Welt — von dem Bildungsideal Hirschs זצ״ל zu einer naiveren, ursprünglicheren Auffassung des Judentums zurückkehren zu können. Sein Ideal scheint manchem zu sehr ״von des Gedankens Blässe angekränkelt“ zu sein. Diese Auffassung ist ebenso wenig richtig und ausführbar, wie es einst Rousseaus Aufforderung zur ״Rückkehr zur Natur“ gewesen ist. Wir alle sind viel zu sehr in die Bande der westeuropäischen Kultur verstrickt, als daß eine Rückkehr zu einem naiv erfaßten Judentum möglich wäre. Nur die Erfassung und Weiterbildung des Ideals, wie es Hirsch זצ׳ל uns gelehrt, ist für uns möglich, und hier scheint mir auch der Weg gewiesen zu sein, der im Osten zu gehen ist, wenn es dort nicht in absehbarer Zeit zu einem ähnlichen Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.