Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 241 (sequence 27)
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41י Das Bildungsideal S. R, Hirschs זצ״ל. Von Dr. W. Halberstadt. Mit dem Auftreten Moses Mendelssohns war das alte, von den deutschen Juden seit Jahrhunderten festgehaltene Bildungsideal, das ausschließlich auf die Lehre der תורה sich gründete und alle anderen Bildungselemente ausschloß, gestürzt. Er hatte den Juden seiner Zeit gezeigt, daß man an der jüdischen Kultur festhalten könne und dazu verpflichtet sei, daß es aber neben ihr andere Kulturgüter gäbe, deren Aneignung auch für die Juden erstrebenswert wäre. Damit hatte er freilich Probleme aufgerollt, über deren Tragweite er sich selbst nicht klar war. Seine Kinder und Schüler, der größte Teil der nachfolgenden Generation, erkannten die Problematik der Mendessohnschen Ideen, und sie scheiterten an ihr. Sie verneinten die Möglichkeit einer Vereinigung von allgemeiner und jüdischer Bildung und warfen deshalb das Judentum über Bord. Die ״Reform“ sucht das Problem in der Weise zu lösen, daß sie das Judentum dem ״Zeitgeist“ anzugleichen sucht. Sie erkennt nicht, daß diese Lösung des Problems keine ist, weil sie die Grundlagen des Judentums verläßt, aus dem Judentum herausführt. So kristallisiert sich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts folgende Situation heraus. Eine Minorität von Altgläubigen, die auf Grund ihrer Erfahrungen jeder nichtjüdischen Bildung feindlich gegenüberstehen, auf der anderen Seite ״Reformrabbiner“, die den Standpunkt der ״Reform“, der ״Weiterentwicklung des Judentums“, der ״Trennung von Schale und Kern“ theoretisch begründen und praktiscch als Richtschnur hinstellen, dazwischen die hin- und hergerissenen Massen, die zwar noch mehr gefühlsmäßig mit dem Judentum Zusammenhängen, sich aber praktisch davon großenteils losgelöst haben. Das ist die Situation, die S. R. Hirsch זציל beim Beginn seines Wirkens vorfindet. Unmöglich, dieser Generation das alte Ghettoideal der jiidischen Bildung aufzurollen. Selbst die größte Beredsamkeit würde an der Aufgabe scheitern, größere Massen zu diesem Ideal zurückzuführen. Alles ist verloren, auch die wenigen, die noch treu geblieben, werden abfallen, wenn man ihnen nicht neue Ideen gibt, an die sie sich klammern können. Ein neues, ein scheinbar neues Ideal muß gefunden und aufgestellt werden, das auf Menschen dieser Zeit wirkt, und das doch durch und durch jüdisch ist. Das ist die Aufgabe, vor die