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Nahalat tsevi · 1931-05-01 · Heft 7 (Mai 1931) · p. Seite 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 7 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 240 (sequence 26)
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240 barstes Gut nur allzu willig geopfert hat. Vielleicht wird sich sein Schicksal sogar noch schneller erfüllen. Die Statistik weist es jaus.— '!! Wie aber steht es mit der deutsch-jüdischen Orthodoxie? Sie trägt ihren Gott nicht in sich, daß sie ihn dem Verstand unterjochen könnte. Sie hat sich vor ihrem außerweltlichen Gott zu verantworten, dessen Wort vor dem Verstand nicht Halt macht, dessen Wille Vater und Mutter zu Teilhabern Gottes erhöht, daß sie, gemeinsam mit Gott, dem ewigen Volk die Ewigkeit sichern, ohne erst Soll und Haben kapitalistisch zu bilanzieren. Die deutsch-jüdische Orthodoxie hat (sich1 ganz gewiß nicht vom Geist der kapitalistischen Wirtschaftsordnung frei gehalten. Gelingt es aber!diesem Geist, selbst dort Wurzeln zu fassen, wo der Bund der Milah die geheimnisvollste, die heiligste Verbindung jüdischer Menschen mit ihrem Gotte knüpft, gelingt es ihm, dem Verstand selbst dort die Priorität zu verschaffen, wo Gott und seine Thora ausschließlicher als irgendwo sonst zu herrschen begehren, dann gibt es ein deutsch1jüdisches Thora-Judentum nicht mehr. Thora-Judentum und rationalisiertes Geburtensystem ist ein Widerspruch in sich; wer beides vereinigen möchte, wäre in der Sprache der Propheten ein Beschnittener und ein Arel zugleich. — Die Frage also, wie sich die deutsch-jüdische Orthodoxie zur Geburtenrationalisierung verhält, ist völlig identisch mit der Frage, ob in der deutsch-jüdischen Orthodoxie Gott und seine Thora lebendig sind. Bekennt sich auch die deutschjüdische Orthodoxie zur Geburtenrationalisierung ihres Wirtsvolks, so wird sie nicht erst untergehen, wenn, nach1 den Weissägungen der Statistik, der letzte deutsche Jude die Augen geschlossen haben wird, so ist sie vielmehr bereits im Moment dieses Bekenntnisses nicht mehr vorhanden. Niemand wird zu behaupten wagen, daß die im deutschen Wirtsvolk immer mehr um sich greifende Geburtenrationalisierung an der deutsch-jüdischen Orthodoxie spurlos vorübergegangen ist. Noch ist kein Anlaß zu Verzagtheit. Aber die Gefahr ist schon da. Selbsterkenntnis ist die unerläßliche Vorbedingung ihrer wirksamen Bekämpfung. Ein nunmehr zu umreißendes Gegenwartsbild der deutsch-jüdischen Orthodoxie soll diese Selbsterkenntnis anbahnen.

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