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Nahalat tsevi · 1931-05-01 · Heft 7 (Mai 1931) · p. Seite 234

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 7 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 234 (sequence 20)
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234 beitragen können. Für die politischen Rechte der Frau haben wir einen neuen Typ der Weiblichkeit eingetauscht, dessen selbstbewußte, anmutlose Stilwidrigkeit ,auf der einen Seite dem mödernen Lebensbetrieb und der modernen Lebensphilosophie durchaus entspricht, auf der anderen Seite aber zu einer seelisehen!Abstumpfung gegen frauenhafte Sitte und zurVerschüttung der eigentlichen Kraftquellen weiblicher Kulturmacht führt. Darum ist es die Aufgabe der jüdischen Frau von heute, den unendlichen Gefahren einer zunehmenden Politisierung der Frau mit der uralten Weisheit und Hoheit ihres jüdischen Frauentums zu begegnen und allen Phrasen vom Persönlichwerden der Frau das tiefe Frauen wort entgegenzustellen: ״Viel geben und wenig fordern ist höchstes Frauenrecht.“ Leider ist auch die jüdische Frau von heute vielfach gezwungen, einen erwerbstätigen Beruf auszuüben. Wenn sie! diesem Zwange folgt, so tritt Sie damit keineswegs aus dem Rahmen der jüdischen Ueberlieferung heraus. Von altersher haben )jüdische Frauen ihre Arbeitskraft, wenn es erforderlich war, im Sinne und im Geiste des Esches-chajil-Liedes ihren Ehemännern zur Verfügung gestellt, und auch als alleinstehende Frauen haben sie seit je den Kampf mit dem Leben aufgenommen. Sie konnten es, und sie durften es, weil in der ganzen Umgebung, die ihre geistige und seelische Heimat war, über die natürliche Aufgabe und Bestimmung der Frau auch nicht der leiseste Zweifel bestand und der Versuch einer Höherbewertung geschäftlicher Tätigkeit zu üngunsten der häuslichen sofort als unvereinbar mit dem Geiste jüdischen Denkens und Fühlens erkannt und zurückgedrängt worden wäre. Heute dagegen bewegt sich die erwerbstätige jüdische Frau in einer Welt, die an die Grundlagen des Hauses, der Ehe und Familie rührt. Für sie ist darum eine besondere Vorsicht am Platz, damit nicht für ihr eigenes Bewußtsein mit dem erborgten Glorienschein einer ,verwerflichen Anschauung über die Aufgabe und Stellung der Frau sich das umgebe, wozu sie doch von Anbeginn in den meisten Fällen nur unter dem brutalen Zwang der wirtschäftliehen Verhältnisse sich bequemte. Sie darf aus der Not keine Tugend machen, und Eva sollte nie vergessen, daß die Ueberflutung der Erde mit weiblichen Arbeitskräften nichts anderes als eine Verschärfung des ursprünglich nur an Adam gerichteten göttlichen Strafwortes darstellt: ״Im Schweiße deines Angesiebtes sollst du Brot essen!“

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