Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 235 (sequence 21)
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25$ Doch nur der Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse ist groß und stark genug, um auch die jüdische Frau von heute in jden öffentlichen Lebenskampf hinauszudrängen. Bei einer Mitgestaltung am politischen Gemeinschaftsleben dagegen, zu der sie die heutigen Gesetze auf rufen, wird sie stets davon auszugehen haben, daß die berühmte ״weibliche Note“, die das modern!e Staatsleben von der politisch tätigen Frau erwartet, nichts anderes als eine heuchlerische Phrase ist, aus der nur die innere Haltlosigkeit des modernen Frauenrechtlertums spricht. Denn eine politische Zweigeschlechtlichkeit gibt es nicht. Soll im politischen Leben; über die patriarchalischen Anschauungen der Vergangenheit hinweggegangen werden, dann ,wird sich kein Psychologe darüber wundern dürfen, wenn die Frau, um ihre politische Reife und ihr politisches Virtuosentum zu erweisen, den Mann an robusterMännlichkeit zu übertrumpfen sucht und in einem Parlament, das überwiegend aus Frauen besteht, für die ״weibliche Note“ die Männer sorgen müßten. Soll aber, wie die Sehnsucht nach der ״weiblichen Note“ verrät, mit den patriarchalischen Anschauungen der Vergangenheit nicht g^nz gebrochen werden, lebt in der Seele unserer führenden Politiker wirklich der stille Wunsch nach einer Umgestaltung des Gemeinschaftslebens im Sinne jenes נקבה הסובב:בר, das die allmächtige Frau triumphieren läßt über den ohnmächtigen Mann, das den weiblichen Pazifismus zum Siege führt über den männlichen Militarismus, das die Festungen der Gewalt in den Staub wirft vor dem Genius des Hauses, des Frieders und der Liebe —: dann mögen sie doch endlich Ernst machen mit dieser Sehnsucht und diesem Wunsche und die Politisierung der Frau durch FeminisierungderPolitikersetzen! Im Liede von der Esches chajil wird mitten in die breitflüssige Schilderung ihres hauswirtschaftlichen Wirkens ein kurzer Satz über die politische Tätigkeit des Gatten, ihres Gatten, eingeflochten. Was er ״in den Toren“, in den Sitzungen der ״Alten des Landes“ vollbringt, das ist um keinen Deut bedeutsamer, wertvoller und wesentlicher als das, was sie mit der ״Weisheit ihres Mundes“ und mit der ״Lehre der Liebe auf ihrer Zunge“ in ,Haus, Feld und Weinberg schafft. Juristisch ist der Gatte בעלה ihr Herr. Doch was er als ein zu politischer Arbeit Berufener im öffentlichen Leben vollbringt, das fügt sich als ein bescheidenes Blatt dem Lorbeerkranze ein, den sie als Mutter seiner Kinder, als ״Wächterin der Gänge ihres Hauses“ aus seiner und seiner Kinder Hand empfängt.