Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 233 (sequence 19)
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233 selischaftlichen Anschauungen des Judentums die Zukunft gehört, dann dürfen wir auch die Gewißheit haben, daß die Anschauungen des Judentums über das Verhältnis der Geschlechter sich einmal die Welt erobern werden. Glauben wir an dasKommen einer Zeit, wo Gott die Flügel des' römischen Adlers bricht und —wie es in Ps. 68,15 so ergreifend heißt —aus politischer Götterdämmerung die Silberschwingen der jüdischen Taube glänzend wie Schnee hervorleuchten werden, dann ist ja dieser Glaube an eine politische Neuordnung der Welt gleichbedeutend mit dem Glauben an die weltkulturelle Bedeutung des jüdischen Hauses und der jüdischen Frau..הכל מן האשד, alles hängt von der Frau ab, heißt es im Midr. im Anschluß an eine Erzählung von einem frommen Manne, der durch seine unfromme Frau verdorben wurde, und einem unfrommen Manne, der durch seine fromme Frau gebessert wurde, obwohl doch kein Wandel der Zeiten und Anschauungen jemals imstande sein wird, jenen fundamentalen Satz aus der Bibel zu streichen, der, ohne sich tun alle Gleichberechtigungstiraden der Gegenwart zu kümmern, den Mann zum Herrn des Hauses erhebt. ״Er soll herrschen über dich“ — gleichwohl: ״alles hängt ab von der Frau.“ Auch die Natur ward dem Menschen zur Herrschaft übergeben. Verliert etwa ,die Natur ihre Allmacht, ihre Hoheit und Würde, weil sie der Mensch bezwingt und beherrscht? Wir haben uns alle seit Generationen daran gewöhnt, in den Denkformen Voltaires und der französischen Revolution zu denken und demgemäß alles von vornherein abzulehnen, was nicht ohne weires in das Denkschema der ״allgemeinen Menschenrechte“ sich einfügt. Seit Generationen haben wir uns daran gewöhnt, den Begriff der Menschenwürde von dem Wesen des Menschen als eines Zoon politikon herzuleiten und über das politische Tun des Menschen jene reine Sphäre zu vergessen, in der allein er sich in der ganzen Fülle seiner Menschlichkeit und Geschöpflichkeit zu bewähren vermag: Ehe, Familie, Haus. Daher kommt es, daß wir eine Reichstagsabgeordnete oder Geschäftsführerin im Vergleich zu einer Hausangestellten lediglich auf Grund ihrer Tätigkeit im öffentlichen Leben als ein höheres Wesen empfinden. Als ob die unmittelbare Kulturleistung einer Hausangestellten an innerem Werte nicht alles überragt, was eine Reichstagsabgeordnete oder Geschäftsführerin doch nur recht mittelbar zur Förderung der Kultur, zur Erhöhung und Vertiefung menschlichen Glücks und menschlicher Zufriedenheit