Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 224 (sequence 10)
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£24 Nehmen wir einmal die Dreiteilung aller Kulturelemente in!technische, ethische und ästhetische Kultur als richtig an, so ist!das Problem beispielsweise in bezug auf die ethische Kultur nicht der spezielle Inhalt der einzelnen Systeme, sondern die große Frage nach Heteronomie oder Autonomie der Ethik, die Frage also, ob die Unterscheidungsmerkmale zwischen Gut und Nichtgut aus dem Denk- und Gefühlsleben des Menschen selbst autonom gebildet, oder ob sie von außen an den Menschen herangebracht werden. An diesem Problem arbeitet die Philosophie von Urbeginn an und ist nie zu einem durchaus befriedigenden Resultat gekommen. Man sieht leicht ein, daß dies der wichtigsten Marksteine einer am Wege des Menschen über!die Erde ist. Die Heteronomie kränkt die Jugend, die leicht in den pharaonischen Traum von dem Sich-selbst-schaffen verfällt. Da offenbart sich nun in einem nicht genügend beachteten Ausspruch unserer Weisen eine seltsame Lösung, die sich etwa so darstellen ließe. Virtuell (d. h. der Möglichkeit nach) ist die Ethik autonom, aktuell (der Wirklichkeit nach) heteronom. Wenn nun von Abraham erzählt wird, (הכיר את קוראו מעצמו) so heißt das, ein Mensch fand aus sich, also autonom, die <VerhaItung|smaß regeln, welche aus der Unendlichkeit abgeleitet sind;und zn derselben führen. Aber die Offenbarung mußte kommen, weil eben durch die Anziehungskraft des Endliehen die wenigsten Menschen imstande sind, sich selbst den Weg zu bahnen. So gab der Ewig-Unendliche die Thora, um dem Menschen seinen ihm eigentlich immanenten Weg über die Erde zu erleichtern. Uebrigens seien Kenner darauf aufmerksam gemacht, daß etwas Aehnliches die Tradition vom König Josia zu berichten weiß. Ein weiterer Niederschlag findet sich in alldem, was der Sohar über den Complex des יניקא קדישא zu berichten hat. Wenn also noch stets die jüdische Forderung auf Priorität des Thorawissens drängte, so war dies eine Forderung der ethischen Kultur. Im gegebenen Beispiel also würde es sich praktisch so gestalten, daß alle Unterscheidungsmerkmale, welche die sogenannte autonome Ethik darstellt, an der Hand der in der Thora gegebenen vergleichend gewertet werden sollen. Wir konkludieren: Meint man es ernst, so müßte mutatis mutandis das Prinzip des Raschbo wieder zur Geltung gebracht werden,!yvobei wir abermals unterstreichen, daß von diesem großen Mann mit dem ins Unendliche gerichteten, das Endliche