Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 221 (sequence 7)
- Belongs to
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221 Vordertüre der Eidesformel hinauszustoßen und das heimliche Zittern vor Gott durch eine Hintertüre wieder einzuschmuggeln, oder ihr glaubt nicht an Gott, dann macht Schluß mit einer Formel, die nur, mit dem Zeichen des Geistes versehen, in Gottes Glorie ,erstrahlt, jedoch zur Karikatur verdirbt, wird sie mit dem Zeichen des Blutes versehen. Die Eidesleistung setzt aber im Sinne unserer Thora nicht bloß den sogenannten Glauben an Gott voraus. ״Gott, deinen Gott, fürchte, ihm diene und bei seinem Namen schwöre!“ Diese drei Sätze gehören innerlich und begrifflich zusammen. Nicht jedermann wird vom Gesetz der Thora zur Eidesleistung zugelassen. Du darfst beim Namen Gottes nur dann schwören, wenn du Gott fürchtest und ihm dienest. Nur dann, wenn du in Gesinnung und Tat auch außerhalb des Gerichtssaales dich Gott unterstellst, nur dann, wenn du auch wirklich Gott im Herzen huldigst und diese Huldigung durch ein pflichttreues Leben bewährst, nur dann glaubt man dir, wenn du schwörst, nur dann ist dein Eid eine Bürgschaft für die Wahrhaftigkeit deines Wortes. Wenn aber dein ganzes praktisches Leben kein Zeugnis ablegt für deine innere Gottesfurcht, wenn dir die Gebote der Thora nur ein lästiger Formelkram sind, über den du dich leichten Herzens Tag für Tag hinwegzusetzen pflegst —: wer bürgt uns dann dafür, daß urplötzlich bei der Eidesleistung, die ja auch nichts anderes als eine ,,Zeremonie“ und eine ״Formel“ ist, jene Ehrfurcht vor der Formel in dir erwachen wird, die außerhalb des Gerichtssaals dir vollkommen abgeht? את ד אלקיך תירא ואתו תעבד ובשמו תשבע . . . אס יש לך כל המדות אלו אתה רשאי להשבע ואם לאו אי אתה רשאי להשבע . . . Es ist darum nichts anderes als eine Selbsttäuschung, wenn man in unseren unheiligen Tagen die Heiligkeit des Eides dadurch zu retten glaubt, daß man an die Stelle des religiösen Eides den weltlichen setzt. Schwören setzt יראה und עבודה voraus. Wo aber יראה und עבודה fehlen, wo an ihrer Stelle die מלאכי הבלה sich breit machen — Weltlichkeit, Materialismus, Zweckbedachtheit, Machtverteilung — wo־ Staat und Kirche, Recht und Religion einander fliehen, statt zu höherer Einheit sich harmonisch zu verbinden, wo mit einem Worte das Zeichen aus Blut über!das Zeichen des Geistes triumphiert, dort ist kein Platz für den Eid, dort ist der völlige Verzieht auf den Eid nur der Schlußstein einer Entwicklung, die