Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 7 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551393--0249-2551743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20ג des ,Eides führen. Dementsprechend kennt das jüdische Recht keine Vereidigung von Zeugen. Diese uralte jüdische Anschauung von der Nutzlosigkeit, ja Schädlichkeit des alltäglichen Eides, sie beginnt in unseren Tagen in die Gesetzgebung moderner Staaten einzudringen. Man will den Gebrauch des Eides erheblich einschränken. Ja, es erheben ßich sogar Stimmen, die jnit einer Einschränkung des Eides nicht zufrieden sind, die den völligen Verzicht des Staates auf den Eid verlangen, weil eine Beschränkung des Eides die Einführung einer sch'wächeren Aussageform, die Einführung einer abgestuften Wahrheitspflicht bedeuten und darum geradezu demoralisierend wirken würde. Nirgendwo tritt die mo 1a 1 i s ch e Hilf 1 osigkeit des modernen Menschen so kraß in die Erscheinung wie in diesen tastenden Versuchen, das Problem der Eidesleistung in einer wirklich ,befriedigenden Weise zu lösen. Ein bekannter deutscher Philosoph hat den Eid die ״Eselsbrücke des Juristen“ genannt. Wir;möchten den Eid etwas höflicher als eine drückende Anleihe bezeichnen, die der Staat zum Zweck der gerichtlichen Wahrheitsfindung!bei Gott, dem נותן התורה, gemacht hat und die er am liebsten •mit Zins!und Zinseszinsen zurückzahlen möchte, wenn er in moralischer Hinsicht etwas zahlungsfähiger wäre. Zwölf Jahre sind es her, daß die deutsche Reichsverfassung den sogenannten weltlichen Eid eingeführt hat. Seitdem braucht;man bei der Vereidigung nicht mehr zu sagen: ״Ich schwöre bei Gott dem Allwissenden“, sondern es genügt, einfach;zu sagen: ״Ich schwöre.“ Die modernen Staaten versuchen mit Gott ein Experiment, das ihnen so ziemlich gelang, als sie es bei ihren Kaisern und Königen anwandten. Weil es gelang, die Autorität des Staates vom deutschen Kaiser auf den Präsidenten der Republik zu übertragen, glaubt ׳man auch aus der Eidesformel den Gottesnamen streichen zu können, ohne damit die Autorität dieser Formel zu untergraben. Als ob die Formel ״Ich schwöre“, wenn sie überhaupt etwas besagt, etwas anderes als eine stillschweigende Anrufung des Gottesnamens zu besagen vermöchte! Vergebens habt ihr das Zeichen des Geistes mit dem Zeichen des .Blutes überklebt. Ihr habt die Rechnung ohne die מלאכי חבלה gemacht, die euch die Entscheidung eines grausamen Entweder-Oder nicht ersparen werden: Entweder ihr glaubt an Gott, dann ist es Blasphemie, den Gottesnamen durch die