Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 6 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 208 (sequence 30)
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20S ״Gerechtigkeit und (Liebe * der Grundgedanke in S. R. Hirschs Philosophie des Judentums. Im Mittelpunkt der Hirsch’schen Philosophie des Judentums steht der Grundgedanke der ״Gerechtigkeit und Liebe“, ein Gedanke, der wie ein roter Faden alle Schriften S. R. Hirschs organisch durchzieht, ein Gedanke, von dem aus sich die Einheitlichkeit und Geschlossenheit (System) von S. R. Hirschs Forschung am besten erklären und beweisen läßt. Betrachtet man von diesem Gesichtspunkte aus näher den Brief des 26jährigen an seinen Vater (veröffentlicht in ״Nach’lath Z’wi“, Heft 1), so ist m. E. nicht so sehr die Frühreife im geistigen Schaffen zu betonen, als die Frühreife im seelischen Schaffen, in der ganzen Psyche, ein F r ü h v o 11endet er spricht hier zu seinem ,Vater. Damit allein erklärt sich auch die bewundernswürdige Tatsache, daß das große System seiner Forschung bis in Einzelheiten bereits in dem jugendlichen ״Gehirn gedrängt“ vollendet vorlag. Nur eine schöne, harmonisch gestimmte Seele, die selbst zu intuitivem Schaffen veranlagt ist, kann mit 26 Jahren sprechen von der ,,Freude des Meisters an seinem Weltenwerk, nachgebildet der reinen Künstlerfreude menschlichen Künstlers.“ Dieselbe harmonische Grundstimmung, die den 26jährigen Briefschreiber beseelt, begleitet den 52jährigen Mann bei der Niederschrift seiner Kommentare. Das philosophische Weltgebäude lag bereits in dem jugendlichen Hirn gedrängt vor, was sich ändert, sind nur die Linien eines schönen, harmonisch geführten Lebens. Spricht der 26jährige von ״der Freude des Meisters an seinem Weltenwerk.“, so ist es dieselbe Seelenheiterkeit und Seelenfreude, die den 52jährigen erfüllen, wenn er sagt: ״Gott sah das Ganze dessen, was er geschaffen, sah die Totalität aller seiner Geschöpfe, sah das harmonische Zusammenklingen aller Wesen, wie sie alle sich um einen Mittelpunkt drehen, alle zusammenstimmen, die Ganzheit, die Harmonie, die Einheit alles dessen, was er geschaffen hatte, er betrachtete jedes Einzelne in seinem Zusammenhang zum Ganzen und siehe, es war sehr gut.“ ,Vgl. Kommentar Izu 1. B. M. I, 31, wie auch 5. B. M. VI, 4. Es ist die vollendete Harmonie des Seelenlebens, die sich