Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 6 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 207 (sequence 29)
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307 ruht auf den Schultern der Orthodoxie, die auch vom amerikanifchen Reformjudentum als das mahnende Gewissen empfunden wird, das man künstlich einzu- Schläfern sucht, um Ruhe vor ihm zu haben. Die Orthodoxie vermag aus eigener Kraft wohl keine 5 Millionen Dollar aufzubringen, um ihre Lehrstätten und Organisalionen zu finanzieren. Gleichwohl beweist die Beharrlichkeit, mit der keine Tagung des Reformjudentums stattfindet, ohne fich mit dem ״Schatten" der Orthodoxie [auseinanderzusetzen, die unverwüstliche Weltgeltung diefes ״Schattens", der lebt und nicht aufhören wird zu leben, solange uns Thora und Mizwoth bleiben, was fie uns vor fünfzig und vor hundert Jahren waren. * * Ein Geleitwort. ״Nur Versuche wage ich zu bieten, nichts Vollendetes - glücklieh, wenn hie und da ein Gedanke einem Reicherbegabten nicht unwert fchiene, ihn weiter zu verfolgen und Hand anzulegen, wo meine Kraft geendet." Dieser Satz aus dem Vorwort des Chaurew beweist, daß sein Verfasser von Anbeginn hoffte, es werde sein Lebenswerk einmal fortgesetzt und vollendet werden. Seine eigenen Leistungen erfchienen ihm als Versuche, die zu weiterer Arbeit anregen sollten. Es war nicht nur Befcheidenheit, wenn er fich ״reicherbegabte" Fortsetzer seines Lebenswerkes wünSchte. Dieser Wunfch ging aus dem stolzen Bewußtsein der Größe seiner eigenen Versuche hervor. Für die Vollendung, die ihm vorfchwebte, erfchien ihm das eigene Leben zu kurz und die eigene Begabung zu gering. Darum rief er von Anbeginn Mitarbeiter und Fortsetzer auf den Plan. Ob und in welchem Grade dieser Aufruf auf fruchtbaren Boden fiel, das zu beurteilen bleibt einer späteren Zeit vorbehalten. Aber fchon heute kann gesagt werden, daß das Lebenswerk Rabbiner Hirfchs für das ganze Judentum als ein unertchöpflicher Born der Anregung, als eine geistige Kraftquelle von stets zunehmender Ergiebigkeit fich erweist. Ja, es fcheint beinahe, als ob das Verständnis für den grandiosen Schwung, die tiefe Schau und innere Wahrheit diefes Werkes gerade in den Kreisen des öftlichen Judentums in höherem Maße vorhanden sei, als man bei uns zu ahnen pflegt. Wir eröffnen in!dieser Nummer unserer Zeitfchrift eine Artikelserie aus der Feder unseres verehrten Mitarbeiters, Herrn Oberrabbiner Hirschowitz in Wirbalis, des Verfassers des מיטב הניון, der es unternahm, eine Fortsetzung des Chaurew zu fchreiben. Während im Chaurew nur״Jissroels Pflichten in der Zerstreuung" dargesteilt werden, versucht Hirfchowitz, diejenigen Mizwoth, deren Erfüllung durch den Bestand des Tempels bedingt ist, im Geiste und nach der Methode des Chaurew erläuternd darzulegen.J Die Artikel des Herrn Oberrabbiner Hirfchowitz find in einem leichiverständlichen Hebräifch ge- Schrieben. _ Daher dürfte fich eine deutfehe Übersetzung, die zudem den Reiz des Originals nur Schmälern würde, erübrigen.