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Nahalat tsevi · 1931-04-01 · Heft 6 (April 1931) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 6 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 204 (sequence 26)
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204 dennoch ist es das alte Judentum. Das alte Judentum, soweit es mir noch heute erlebbar ist. Ist das vielleicht wenig? Alfred: Wäre es dann nicht richtiger, daß ich zunächst das alte Judentum kennen lernte? Seelenfreund: Das wäre!ein allzu langer und allzu beschwerlicher Weg. Da könnten Sie darüber alt werden wie Methusalem. Der Talmud allein ist ein Werk, mit dem nicht fertig zu werden ist. Ich selber kenne ihn nur zum geringsten Teil. Alfred: Haben Sie den Talmud nicht erlebt? Seelenfreund: Den Talmud kann man nicht erleben, den muß man lernen. Ich möchte Ihnen eher raten, eine Zeitlang meine!Predigten anzuhören. Alfred: Gut. Einstweilen danke ich Ihnen, Herr Doktor. Sie haben sich so viel Mühe mit mir gegeben. — Seelenfreund: Bitte sehr, dafür bin ich ja da. — Uebrigens noch eines. Glauben Sie nur nicht, daß Sie etwa bei den orthodoxen Juden Deutschlands das alte Judentum antreffen. Zwisehen ihnen und uns liberalen Juden ist eigentlich nur ein Gradunterschied. Die Reform hat auch sie erfaßt. Das zeigt sich nicht nur an den äußeren Formen des Gottesdienstes, wie Chor, deutsche Predigt, Barett und Ornat, Ruhe und Ordnung, Dinge, die sie unzweifelhaft der Reform zu verdanken haben. Das zeigt sich vor allem auch an ihrem ganzen seelischen Habitus. » Alfred: Wie meinen Sie das? (Fortsetzung folgt.) Chronik. בושנו מכל עם Nicht mit Unrecht weist die Zeitfchrift ״Kol Jisroel״ darauf hin, daß es wohl kaum ein anderes Parlament gibt, in dem geflissentlich jede Erwähnung von Gott und religiösen Dingen derart vermieden wird, wie dies bei der Eröffnung der sogenannten jüdifchen Nationalversammlung in Jerusalem in diesen Wochen der Fall war. Als Befchlüffe der Majorität angenommen wurden, die zwar nur theoretifchen Charakter tragen, aber der poli- ׳ifchen Anfchauung der Revisionisten widerfprachen, haben diese ihre Abstinenz erklärt und die Nationalversammlung verlassen. Als ein Vertreter der Arbeiterpartei (der größten Partei) erklärte, daß ihr Glaubensbekenntnis im Unglauben bestehe und daß keine öffentlichen Mittel für Rabbinat oder für irgendwelche religiöse Institutionen zur Verfügung gestellt werden sollten, da hat in dieser Jüdifchen Nationalversammlung der Misrachi

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