Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 6 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 203 (sequence 25)
- Belongs to
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203 dene Kompetenzen. Für die Sinneswelt ist nur Verstand und Vernunft, für die religiöse Welt nur das religiöse Gemüt zuständig. Alfred: Dann nutzt mir die religiöse Wahrheit nichts. Denn gerade was ich in der Sinneswelt bin und soll, ist meine Frage. Haben Sie darauf eine Antwort? Seelenfreund: Die religiöse Welt zieht auch die Sinneswelt in sich ein; nur ergreift sie sie nicht mit Verstand und Vernunft, sondern mit dem Gemüt. Alfred: Und wer garantiert ihre Wahrheit? Seelenfreund: Das Gemüt. Alfred: Wessen Gemüt? Seelenfreund: Das Ihre. Alfred: Wer garantiert für mein Gemüt? Seelenfreund: Bedürfen Sie einer anderen Garantie? Ge• nügt es nicht, wenn Sie für sich garantieren? Alfred: Unter Garantie des Gemüts hat man zahllose! Ketzer verbrannt und mehr Scheußlichkeiten begangen als alle sogenannten Verbrecher der Welt zusammen. Unter Garantie des Gemüts vollzog sich die alte Sabbathut, von der Sie nichts mehr wissen wollen. Unter Garantie des Gemüts steht auch der Fetischismus. Seelenfreund: Die absolute Wahrheit ist nicht von dieser Welt. Alfred: Auch nicht die religiöse? Seelenfreund: Auch nicht die religiöse. Auch nicht die wissenschaftliche. Alfred: Aber die wissenschaftliche ist doch wenigstens beweisbar! Seelenfreund: Dafür ist die religiöse erlebbar. Alfred: So halten wir wieder, wo wir hielten!. . . Seelenfreund: Finden Sie? Hm, mehr kann ich Ihnen nicht sagen. — — Nochmals, mein Freund: Die Not, die Sie zu mir führte, ist durch und durch religiöse Not. Sie ist letzlieh das Thema aller Religionen, ist •vielleicht das wirklich Ewige, das in ihnen liegt. Wollen Sie sich nicht meiner Führung anvertrauen, daß ich sie Ihnen lindere? Alfred: Wohin geht der Weg? Seelenfreund: Zum Judentum! Alfred: Wie Sie es erlebten? Seelenfreund: Kann ich Ihnen ein anderes geben? Und