Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 6 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 188 (sequence 10)
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166 Darin sahen die Epigonen von S. R. Hirsch s!. A. das Ideal, und gegen diese satte Verzerrung rebelliert die Jugend von heute. Deshalb konnte das Thora im Derech Erez seine Orgien feiern bis zur Verweisung des Thoralebens in .die Synagogen und knapp gemessene Schiurstunde, und man verwehrte der Thora Ingerenz auf eine unabsehbar reiche Fülle von Lebensbe- Ziehungen. Aber das Nebeneinander hat Fiasko gemacht. II. Bleiben noch zwei Möglichkeiten. Entweder Religion a u s Kultur, d. h. also im Rahmen der obigen Ausführungen: die Beziehungen zum Endlichen sind das Primäre. Aus ihnen konstruiert man das Unendliche und formt 'Beziehungen. Das Resultat war noch stets die Gestaltung von Gottheiten im Ebenbilde sinnenfälliger Dinge, im Blütezustand im Ebenbild der Menschen, eine — sei das Wort gestattet — grandiose Konception der Verendlichung des Unendlichen. Also der Komplex, der gemeinhin als Götzendienst angesprochen!wird. Es ist hier nicht der Platz, den feinen Verästelungen dieser aus einer tiefen Sehnsucht einerseits, aus Todesfurcht und Bangen vor dem Nichts anderseits geborenen Einstellung nachzugehen. Aber auch heutzutage, da diese Epoche des!menschlichen Innenlebens scheinbar vollständig überwunden ist und da man so vieles erklärend in den Bereich des Endlichen gezogen hat, ist das Wort von der Erhaltung der Kraft und der Materie schon beinahe wieder religionbildend geworden. Bölsches esoterische Naturdeutung ist ein Abschnitt in diesem ' Kapitel, fast hat es den Anschein, als ob auf diese Weise ein — allerdings unzureichendes — Asyl für (so viele der suchenden Seelen unserer Tage geschaffen werden sollte. » III. Endlich aber bleibt noch ein Weg, und dieser heißt: Kultur aus (Religion. Hier sind die Beziehungen zum Unendlichen das Primäre. An ihnen misst man und erkennt man die Erscheinungen des Endlichen. Der Wegweiser ist das בצלם אלקים, das sicher auch in den Erkenntnis- und Gefühlsmöglichkeiten des Menschen zum Ausdruck kommt. Wenn das "kühne Wort gestattet ist, so ist als Ziel zu bezeichnen die Verunendlichung des Endlichen. Freilich kann das Primäre an den Menschen nur von außen herangebracht werden. Das ist der Vorgang, der mit Offenbarung bezeichnet wird. Alle Beziehungen zum Weltganzen und alle Vorgänge des inneren und äußeren Menschen-