Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 6 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 187 (sequence 9)
- Belongs to
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m Thora im derech erez.ל Von P. K. (Fortsetzung) L Es gab und gibt Religion ohne Kultur, das heißt, die Be- Ziehungen zum Unendlichen beanspruchen keinen Einfluß auf die Beziehungen zum Endlichen. In ihren extremen Ausläufen lehnte diese Anschauung das Endliche (überhaupt ab und artete zum beschaulichen Brahminentum aus.!Ein ausschließliches Innenleben mit absoluter Indifferenz gegen alles, auch gegen den Weg dieser Gedankenrichtung zu anderen Menschen. Eine hilflose Abkehr vom Leben, doch fast immer—eine psychologisch nicht restlos zu deutende Erscheinung — eine menschheitsabgewandte Liebe und!Verehrung des Instinktlebens, wie es sich in der Tierwelt offenbart, Verherrlichung des Tieres selbst Daneben fast parallel Kultur ohne Religion, angesichts der Unzulänglichkeit unserer Kräfte für die restlose Erfassung des Unendlichen eine schrankenlose Hingabe an das Endliche. Das ist der Hintergrund der alten Hybris, des ״Nein“, das der stolze Mensch allem entgegenschleuderte, das sich nicht in den Rahmen des!mit seinen Sinnen zu Erfassenden einfügen läßt. Für ojberflächliche Geister ein Sieg der technischen Kultur, für forschende Tiefe ein stetig wachsendes Reclamieren der Natur- Vorgänge für den Bereich des causal umsponnenen Endlichen oder — mathematisch gesprochen — Erweiterung des Zahlenbegriffes bis zum Unendlichen.!Alles wird den Gesetzen der endlichen Zahl unterworfen, dann ist die Hybris befriedigt. Weiter! Auf solche Ausflüge folgt fast mit zwingender Notwendigkeit eine Sehnsucht nach geruhsamem Ausgleich, und dann heißt das Bild: Kultur und Religion. In sorgsam betreuten Grenzpunkten berühren sich die sonst ängstlich getrennten Gebiete der Beziehungen zum Endlichen und Unendlichen. Es ist fast ganz ein friedlich, schiedlich getrenntes Nebeneinander. Theoretische und praktische Vernunft respectieren einander. *) S. Heft 4/5. (Wenn es noch eines Beweises für die Aktualität unseres Themas bedürfte, so würde es genügen, auf die Duplicität hinzuweisen, dass in der Vornummer ein Artikel von Herrn Dr. Elieser Posen sich mit denselben Motiven befasst Die folgenden Ausführungen sind nun so umgearbeitet, dass sie auch auf diesen Artikel Rücksicht und Bezug nehmen.)