Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 175 (sequence 65)
- Belongs to
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175 deren Zusammenwirken das ״religiöse Gemüt“ und damit die .Wurzel jeder Religion bildet, mußte sie zunächst als religionsvergleichende Wissenschaft dartun, daß die vorhandenen religiösen Tatbestände in ihrer ungeheueren Buntheit, vom Fetischismus bis zur Welt- und Kulturreligion, letzten Endes sich doch alle einem Oberbegriff, dem der Religion schlechthin, einordnen lassen, dessen gattungbildende Merkmale wesentlieh genug sind, um ihn gegenüber den artbildenden Unter- Scheidungsmerkmalen zur Geltung kommen zu lassen. Hierbei aber stellte die Wissenschaft völlig einwandfrei fest, daß die Gattungsunterschiede der Religion gerade im Subjektiven, die Artunterschiede gerade im Objektiven begründet sind. Dies bedeutet, daß allerdings die in Erscheinung tretenden F o rmen der Religionen stark von einander abweichen, daß aber das mit diesen Formen innerlich Gemeinte, also׳ das religiöse Erlebnis als solches, das die Seele ergreift und den Erlebenden zu einem neuen Menschen macht, kurz, daß die Religiosität eine außerordentlich starke Uebereinstimmung bei allen wirkliehen Religionen, die eben noch lebendig sind oder lebendig waren, aufweist. Das religiöse Erlebnis also, weit entfernt, die Menschen zu isolieren, ist vielmehr ganz im Gegenteil in hohem Maße geeignet, sie zusammenzubringen, wenn sich nur die starke Persönlichkeit findet, die ihr eigenes religiöses Erlebnis dermaßen in Wort und Symbol auszuprägen weiß, daß Tausende freudig in Wort und Symbol ihr eigenes religiöses Erlebnis aufs neue erleben. Die Krise der religiösen Gemeinschaften unserer Tage ist daher lediglich eine Krise der Persönlichkeiten. Bringt einmal unsere Generation solche Persönlichkeiten hervor, werden Sie sich wundern, wie schnell die Krise überwunden sein wird. Ist denn nicht auch Schönheit persönliches Erleben? Vermag aber nicht dennoch der Künstler durch das Werk seiner Hände, Ausdruck persönliehen Erlebens, ein ganzes Volk mit fortzureißen? Und ist etwa das konkrete Bild die — Schönheit an sich? Ist nicht vielmehr das Bild nur — Ausdrucksform, räumlich und zeitlich gebundene Ausdrucksform des ewigen Ideals? Alfred: Jaja- Seelenfreund: Es ist aber auch noch ein Zweites! Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß Religion als Religiosität mit jenem anderen Wirken des menschlichen Gemüts, mit der Kunst, sehr wohl verglichen werden kann. So ver-