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Nahalat tsevi · 1931-02-01 · Heft 4-5 (Februar 1931) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 4-5 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 170 (sequence 60)
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f70 und erst recht nicht die Verachtung der sogenannten Ortho doxie. Ueber die jüdische Reform sollte überhaupt nur der reden, der gleich mir einen der jüngsten Zweige der modemen Wissenschaft sich zu eigen gemacht hat, nämlich die Religionswissenschaft. Alfred:!Was ist das? Ich dachte, Religion und Wissenschaft seien Gegensätze? Seelenfreund: Gewiß sind sie Gegensätze, und sogar unversöhnliche Gegensätze, wenn sich Religion selber als Wissenschaft ausgibt und womöglich den Anspruch erhebt, den unbedingten Vorrang vor allen Ergebnissen und Forderungen zu haben, die Verstand, Vernunft und Gemüt in Freiheit aus sich herausstelien. Aber unter Religionswissenschaft verstehe ich nicht die Religion als Wissenschaft, gewissermaßen als Erkenntnisquelle eigener Art, sondern die Religion als Gegenstand der Wissenschaft, durchforscht und ergründet nach den allgemeinen Methoden der Wissenschaft überhaupt und dadurch erst in ihrem eigentlichen Wesen erkannt. Alfred: Gibt es das? Dann hätte ja die Wissenschaft sich der Religion geradezu bemächtigt und, statt wie ehedem der Religion zu dienen, im Gegenteil die Herrschaft über sie angetreten. Seelenfreund: So ist es auch, in gewissem Sinne. Das ist doch gerade die moderne Errungenschaft, daß sich die Wissenschaft ausnahmslos auf alle Gebiete menschlicher Lebenserfahrung und Lebensbetätigung erstreckt. Für die Wissenschaft ist die Religion einfach eine unleugbar vorhandene seelische und in gewissen Formen auch nach außen in die Erscheinung tretende Gegebenheit. Sie untersucht nicht etwa den objektiven Wahrheitsgehalt der Religion, denn sie ist ihr überhaupt nicht Quelle der Wahrheit, als welche sie vielmehr ausschließlich sich selbst anerkennt. Sie fragt nicht, ob dieser oder jener Satz der Religion wahr i s t, sondern sie fragt, wieso es kommt, daß der religiöse Mensch diesen oder jenen Satz der Religion für wahr hält. Sie spürt den Kräften der menschlichen Seele nach, die zur Bildung und Entwicklung von Religion geführt haben und sie lebendig erhalten. Auf das Wirken dieser Kräfte führt sie die Geltung religiöser Erkenntnisse und die Form religiöser Bekenntnisse zurück, und mit solcher, gleichsam kausaler Ableitung hat sie das Geheimnis der Religion schlechthin enträtselt

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