Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 165 (sequence 55)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551391--0184-2551676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16$ staben dieses Satzes hängen Blut und Tränen unserer Vorfahren. Alfred: Mag sein. Kann man denn aber auch heute noch sagen, daß der reine Monotheismus Vorbehaltsgut des Judentums ist? Wer in Westeuropa überhaupt noch an Gott glaubt, denkt hierbei nur an den Einzigeinen. Ist es nicht so? Seelenfreund: Aber die Symbole sind verschieden, die Art der Gottesverehrung. Alfred: Sind die Symbole Menschenwerk oder Gotteswerk? j Seelenfreund: Sie sind, gewissermaßen, Gotteswerk. Alfred: Haben die Juden eine besondere Offenbarung? Seelenfreund: Gewiß hat sich den Juden die Gottheit in einer besonderen Form geoffenbart. Alfred: Einmal und für immer? Seelenfreund: Ja und nein. Alfred: Was heißt das? Seelenfreund: Tiefer und nachhaltiger beschäftigte unseren Stamm die Idee der Gottheit, als irgend einen anderen Menschenkreis. In Abraham und Moses, in David und den Propheten offenbarte sich die Gottheit in Urlauten, denen die Zeiten nichts anhaben konnten. Der Kern dessen, was die Gottheit durch sie und in ihnen sprach, ist ewig. Nur die Schale wechselt. Alfred: Was ist Schale? Seelenfreund: Schale ist, was diesen Offenbarungen an menschlich Bedingtem anhaftete. Schale ist, wenn Abraham in Vielehe lebte, wenn Moses sich für die Sklaverei aussprach und Reines von Unreinem, Genießbares von Ungenießbarem allzu ängstlich schied, wenn Davids Psalmen die Feinde stärker hassen, als uns dies heute tragbar scheint; wenn die Propheten auch für das Ende der Zeiten blutige Tieropfer nicht ganz missen können. Alfred: Und was ist Kern? Seelenfreund: Einen Augenblick. Ich bin mit der Schale noch nicht fertig. Ich sehe Ihnen an, daß Sie den Dingen auf den Grund gehen wollen, daß Sie schön viel mit sich gekämpft haben. Ihnen schulde ich Wahrheit, soweit ich sie zu geben vermag. Hoffentlich sind Sie stark genug, die Wahrheit zu tragen. Alfred: Ich bin Ihnen wirklich dankbar. —