Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 154 (sequence 44)
- Belongs to
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154 nur einen kleinen Zusammenhang mit der heutigen Jugend hat, wird wiederholt beobachtet haben, daß es fast unmöglich ist, für die Schriften Rabb. Hirschs dauerndes Interesse zu erlangen. So undankbar gegenüber dem großen Lehrer dies sein mag, und so unberechtigt die Gedankengänge sein mögen, die diese Einstellung erzeugen: es hieße die Tatsache verkennen, wenn man diese Einstellung leugnete. Im Folgenden soll nun der vorsichtige Versuch gemacht werden, den Ursachen dieser Einstellung nachzugehen. Man wäre geneigt, für die zu betrachtenden Erscheinungen irgendwelche ,,Schuldigen“ zu suchen. Zunächst denkt man zumeist an eine gewisse Unbeseheidenheit der heutigen Jugend, die ,sich anmaßt, Urteile abgeben zu können, für die ihr die Kompetenz ermangelt. Sodann schiebt man den Rückgang an Interesse für Rabb. Hirsch gern dem Vordringen von Einflüssen aus dem Osten zu. Schließlich meint man, Großmannssucht, die sich für erhaben darüber dünkt, jüdischen Gedankengängen, die sich im Gewand der deutschen Sprache darbieten, zu folgen, dafür verantwortlieh zu machen. Mehr oder minder mögen wohl alle diese Momente tatsächlich dazu beigetragen haben, manche Teile der deutschen orthodoxen Jugend dem großen Lehrer זצ״ל zu entfremden, den Kern der Frage aber treffen diese Umstände sicherlich alle nicht, schon deswegen nicht, weil zweifellos ein erheblicher Teil unserer Jugend nicht mit derartigen, reichlich an der Oberfläche liegenden Argumenten Fragen von solcher Tiefe entscheidet. Zunächst möchte ich betonen, daß wir bei der Frage, warum die Jugend Rabb. Hirsch die Treue aufsagt, uns nicht auf das beschränken können, was man gemeinhin unter dem ״Thora im Derech Erez-Prinzip“ versteht, wie mau vielleicht aus dem Aufsatz des Herrn Dr. Munk folgern könnte. Wohl ist das תורה עם דרך ארץ -Prinzip ein wesentlicher Bestandteil des durch Rabb. Hirsch errichteten jüdischen Gedankengebäudes, aber die Schriften von Rabb. Hirsch erschöpfen sich in ihrer Mannigfaltigkeit doch wahrlich nicht in diesem Prinzip, und man sollte meinen, daß auch unserer Zeit diese Schriften noch gar vieles zu sagen hätten, denn ein gleichwertiger Ersatz wurde in modernerer Zeit wohl kaum geschaffen. Warum also trotzdem die Abkehr der Jugend? In סנהדרין berichtet die גמרא von einem Zwiegespräch, das מנשה המלך mit רב אשי im Traume führte. רב אשי fragte den König, der ihm einen Be-