Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 150 (sequence 40)
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150 Ausschaltung gerade!im letzten Jahrzehnt immer beharrlieher sowohl seitens des Produzenten wie seitens des Konsumenten betrieben wurde. Unter den deutschen Juden wiederum scheinen gerade die orthodoxen Juden der Verarmung in besonderem Maße anheimgefalien zu sein, vor allem in den Groß- Städten, letzthin aber auch zusehends in den Kleinstädten und auf dem Lande. Noch ist es nicht möglich, ein genaues Fazit zu ziehen oder gar die wahrscheinliche Entwicklung der nächsten Zukunft zu umreißen. Für den Augenblick steht jedenfalls fest, daß das deutsche Judentum, namentlich das orthodoxe deutsche Judentum seine kapitalstarken Stützen zum größeren Teil verloren hat, daß sein Durchschnitt einen Kampf ums Dasein von unerhörter Schärfe führen muß und daß seines Nachwuchses hinsichtlich der Erwerbsmöglichkeilen und der damit in Zusammenhang stehenden Berufswahl, sofern sie gar noch auf die Weihe des Sabbath Rücksicht nimmt, eine Stirnmung sich zu bemächtigen beginnt, die von Panik nicht mehr weit entfernt ist und sich nicht einmal von einem Sabbathkongreß mit liberaler Begleitmusik im Sinne der Beruhigung beeinflussen läßt. Das deutsche Judentum hat nicht nur das Juwel in der Krone der Emanzipation, das Gefühl behaglich friedlichen Wohnens inmitten eines aufnahmebereiten Wirtsvolks, es hat auch seinen zwar nicht unbedingt glücklich machenden, aber immerhin einen gewissen Rückhalt gewährenden Besitz in wahrhaft erschreckender Weise eingebüßt. Die Not herrscht im deutschen Judentum. Und wie das Emporkommen des Hitlertums den bewußten Juden zur selbstrichtenden Betrachtung einlädt, ob das Geschenk der Emanzipation von uns im Sinne des göttlichen Spenders angewandt worden ist, so läßt ihn auch die Not der Gegenwart in ernster Prüfung den Gründen nachgehen, die den Niedergang,!um nicht zu sagen: Untergang der deutsch-jüdischen Bourgeois-Orthodoxie verschuldet haben können. — Kein größerer Gegensatz als Bourgeois und — Galuthjude. Bourgeois: das Wort atmet Sattheit, Zufriedenheit, Endgiltigkeit, Gegenwartsbejahung. Galuthjude: Inbegriff der Sehnsucht, der aufstachelnden seelischen Entbehrung, der vorwärts treibenden Vorläufigkeit, der nimmer gestillten Zukunftser- Wartung. Bourgeois-Orthodoxie: eine Aufgabe von unermeßiicher Schwere, von Generation zu Generation immer erneut