Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 148 (sequence 38)
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148 So ist der ״jüdische Reichtum“ fast zum Sprichwort geworden. In Wahrheit ist die wirtschaftliche Bilanz der jüdischen Galuthjahrhunderte ungemein traurig. Um nur von Europa zu reden, ist die Armut der Juden in ihren russischen, polnischen, ungarischen Massensiedlungen, in ihrem Amsterdamer und Londoner Massenquartier geradezu erschütternd. Agudas Jißroel weiß von ihr ein Lied zu singen. Aber gerade die deutschen Juden waren in der Tat bis zur Weltkriegs wende, auch dem Durchschnitt nach, verhältnismäßig in erheblich günstigerer wirtschaftlicher Position als ihre Brüder in allen anderen Ländern. Wenn es auch natürlich arme deutsehe Juden gab, so war dennoch selbst ihre Armut gewissermaßen eine bürgerliche Armut, keine proletarische, wie etwa im Osten. Die deutschen Juden waren ausgesprochene Bourgeois, sie gehörten zu einem starken Teil dem bereits gehobenen Mittelstand an und hatten eine recht stattliche Zahl von Inhabern ererbter oder erworbener Wohlhabenheit. Drum waren die Blicke der Weltjudenheit in ihren mannigfachen Nöten stets auf die deutschen Juden gerichtet. Ohnedies galt damals Deutschland als das vorbildliche Land der ״Ordnung“, die den diametralsten Gegensatz zu dem durch und durch problematischen Zustand des jüdischen Volks im Galuth bildet. Ein Schimmer dieser ״Ordnung“ schien sich auch um die Stirn der Juden Deutschlands gewoben zu haben, und er war es, der ihnen, abgesehen von den Vorzügen des jüdischen Geistes deutscher Ausprägung, Einfluß, Ansehen und ein erhebliches Maß von Vertrauen in der ganzen jüdischen Diaspora verlieh. Man wird schwerlich bestreiten können, daß die deutsehen Juden der ihnen widerfahrenen ,Gunst des Schicksals in ihrer Beziehung zur Diaspora sich würdig zu erweisen bereit waren. Der deutsche Jude war gewohnt zu geben. Alle über die einzelnen Länder hinausgreifenden Bestrebungen fanden ihn im allgemeinen als willigen Spender nicht unbeträchtlichen Maßes. Deutsch-jüdisches Geld kam überall hin in der ganzen Diaspora, und Grenzpfähle der Länder bildeten niemals ein Hemmnis. Die Namen der Leiter großer deutsch-jüdischer Unternehmungen des Handels hatten in der jüdischen Welt einen guten Klang. Man wußte es ihnen zu danken, daß sie, auf der Höhe gesellschaftlichen Lebens stehend, zur Armut ihres Volkes sich beugten und vielfach neben Geld auch Zeit und Arbeitskraft den Organisationen zwischenländ-