Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 145 (sequence 35)
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ו! 11 *י 145 sprechen. In völlig entgegengesetzter Absicht möchten auch wir die nämliche Frage erheben: Weshalb sind diese Vorschriften, deren Wirkungsbereich in der allen Menschen gemeinsamen Tiefe des Unbewußten ist, nun nicht der Oesamtmenschheit, sondern nur dem Volke Israel allein erteilt worden? Ja, es hat sogar den Anschein, als unterscheide sich die noachidische Gesetzgebung Gottes von der sinaitischen essentiell eben dadurch, daß sie auf jede Art Chukkim verzichtet, das heißt nach Obigem auf jede Art Beeinflussung des Unbewußten, dennoch ist die Antwort Hirschs und unserer Weisen auch auf diese Frage sehr verwandt mit der, welche uns die gegenwärtige Psychologie erteilt. In Hirschs Bemerkungen zur Schöpfungsgeschichte wie in denen zum Vierten Gebote und in seiner Schrift ״Der jüdische Sabbath“ finden wir den Sabbath, ganz im Sinne talmudischen Denkens, als ein ethisches Urgut der Menschheit dargestellt. Demgemäß ist er in dieser Darstellung später der Gesamtmenschheit verlorengegangen. Alle die Gesetze, von denen unsere Weisen erzählen, sie seien den Patriarchen vor Mattan Thora bekannt gewesen oder geworden, können wir in dieser Art in Verbindung mit der Urmenschheit denken. Nun lesen wir in unserer Ueberlieferung, zum Beispiel in den Kapiteln des Rabbi Elieser, dem Erzvater Abraham sei die Gesetzesweisheit aus seinen ״zwei Nieren“ entsprossen, also aus den Organen, deren Funktion, wenn unverletzt, nie vor das Bewußtsein tritt. Die Erscheinung, daß ein Mensch der Gegenwart in krankhaftem (aber durchaus nicht ausnahmslos krankhaftem) Geistesschaffen Geistesinhalte eines längst versunkenen Zeitalters nachbildet, wirkt, besonders wenn es sich um geistig hochstehende Persönlichkeiten handelt, in der Typenpsvchologie nicht mehr atavistisch, sondern als Funktionsmodus eines in jedem Menschen potenziell vorhandenen kollektiven Unbewußten. Soll nun absichtlich nicht nur einer Summe geistiger Inhalte, sondern einer bestimmten geistigen Haltung ein ausreichender Kreis von Persönlichkeiten als Träger gesichert werden, so kennt auch die derzeitige Typenpsychologie nur unbewußte Wege zu diesem Ziele, die alle über die Familie führen. Das Kind lebt sehr oft die Komplexverdrängung seines Vaters, ebenso oft aber den lebenstauglichen Unbewußtseinszustand seiner Eltern. Doch weder kranke noch gesunde Wachstumswege des Unbewußten übertragen sich über den Familien-