Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 144 (sequence 34)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551391--0163-2551655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 stuhl zerren, ja wenn von psychoanalytischer Seite die Ambivalenz der ethischen Geiühle des Unbewußten auf unsere Kolnidreformel, m. m. auch auf das lutherische sola fide nec operibus (oder in volkstümlicher Vergröberung peccandum est ut gratia egeatur) bezogen wurde, so empfindet darin trotz alles Unbefugten und Entstellten der Bekenner unserer Gesetzessymbolik eine geradezu schöpferische Parallele zu Hirschs Ausdeutung des Para-Aduma-Gesetzes. Das reinigende, erlösende und entschlußkräftigende Symbol der Sündenvergebung kann in sein Gegenteil Umschlägen, sobald ein Sichbefassen des Menschen mit ihr gepflegt wird. Eine Tür zuviel, eine einzige mag der Arzt dem Patienten zuviel ins Unbewußte geöffnet haben und — gerät selbst in dessen Behandlung. Der Gedanke der Ambivalenz ist auch in Hirschs öfteren Erklärungen zu Kadosch und Kadesch vollinhaltlich vorausgeahnt: hingegeben, sei es dem kampflos stets geübten Guten, sei es seinem Widerspiel, bald dem Verfall, bald dem Emporstreben. 10. Die Reinheit der Kohanim, das für sie geltende Verbot, den Toten zu nahen, bildet in der Thora die Krönung der Reinheitsvorschriften, den Urquell (אבי אבות) und auch im Hirsch’schen System den Kernpunkt der Betrachtung über die Willensbefreiung als Reinheit. Auch sie ist durch eine die nächsten Angehörigen betreffende Ausnahme gekennzeichnet, die gleichen Angehörigen, gegen welche nach Feststellung d;ir analytischen Schule jeder Mensch von ambivalenten Haß- Liebe-Gefühlen erfüllt ist, ohne es zu wissen. In diesem Punkte ermöglicht uns also die heutige Psychologie, dem Hirsch’schen System eine Konsequenz anzufügen, an welche der Meister selber nicht sich wagen wollte. Er erklärt die Ausnahme der Taharagesetze, die für die Angehörigen statuiert ist, rein ethisch; wir aber sind imstande, die Ausnahme aus dem gleichen Ideenkreise zu erklären, welcher der Regel zugrunde liegt, nämlich dem Kampfe gegen die daseinsfeindlichen Elemente des Unbewußten, dem die Thora durch die vorgeschriebene Symbolhandlung des Auseinanderhaltens von Priestern und Toten Succurs leisten will. 11. ״Was ist das für ein Gott, der Jemand eignet?“, fragt Lessings Tempelherr Nathan den Weisen in der kaum versteckten Absicht, jeder ethischen Sonderstellung, insbesondere der ״Auserwählung“ Israels den religiösen Wert abzu-