Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 143 (sequence 33)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551391--0162-2551654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
143 durfte den größten Entschluß seines Lebens nur unter völliger Ausschaltung aller Möglichkeiten unkontrollierter Einwirkung vollziehen, also nur durch den Abgesandten seines Vaters. 7. Ist Tahara aber Unberührtheit aller Entschlüsse vom Auf und Ab der lebensuntauglichen Komplexe des Unbewußten, so gibt es keinen unwahreren Satz als den, der behauptet, den Reinen sei alles rein. Mag es wahr sein, daß die modernen Gesellschaftssitten uns völlig coeduciert und gegen Reize aus dem Beisammensein der Geschlechter gestumpft haben,— so ist doch im Unbewußten auch nach Jahren eine Stumpfung ausgeschlossen, und der Satz des Chaurew bieibt in Geltung, der mit dem ewigen altjüdischen Lebensernste jeden Gedanken und jeden Blick, jede Lektüre und jede Vergnügung verpönt, die in die zarten Seelenregionen weiterschwingen. — Wenn also die heutigen Psychologen die größte Verderbnis des Familienlebens in der Diskrepanz zwischen bewußtem und unbewußtem Triebleben sehen und deshalb dem bewußten Leben zur Heilung Zugeständnisse an das unbewußte empfehlen, so gesteht die jüdische Lehre den Tatbestand schon zu, knüpft daran aber die entgegengesetzte Konsequenz. Es sollte daher jeder Bekenner der Hirscii’schen Taharalehre zugleich als seine jüdische und als seine kulturelle Aufgabe ansehen, die Zniuthvorschriften der Thora seinen Kindern vom vorbewußten Alter auf zur Selbstverständlichkeit zu machen und so ihr bewußtes wie ihr unbewußtes späteres Leben im Sinne der Thora Vorschriften im Voraus in bestimmte Bahnen zu weisen. 8. Die Erziehung mit Märchen und anderen ״Niedlichkeiten“ ist von Hirsch in der schon erwähnten Pädagog;- sehen Plauderei gleichfalls für unbrauchbar erklärt worden. Er zweifelt daran, ob von alle dem Spuk überhaupt etwas in der unverdorbenen Kinderseele lebt und ob man, falls es darin lebt, es nicht besser hinauslehren sollte. Auch hiermit hat Hirsch eine Methode vorweggenommen, wie sie in der Gegenwart auf analytischen Gedanken fußend die montessorische Erziehung darstellt. Auch hier läßt sich die gemeinsame Wurzel des Hirsch’schen und des psychologischen Gedankens leicht aufdecken. Beide meinen den Kampf gegen die daseinsfeindliehen Einwirkungen des Unbewußten. 9. Wenn die historischen Ausblicke der Typenpsychologie selbst die Streitfragen der Scholastik vor ihren Richter-