Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 141 (sequence 31)
- Belongs to
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besseren Autorität zu bedienen wissen, als unseres Samson Raphael Hirsch; so geschehen in Kranefeldts Psychoanalyse, Göschen 1930 (1034), Seite 18, wo die Sünde Moses’ als Inhalt eines Bismarkschen Traumes ihre richtige Deutung findet. — Ein Einblick in die zeitliche Festlegung der Mila auf den achten Lebenstag wird gerade den Kenner der analytischen Deutung heidnischer ״Reiferiten“ davon überzeugen, daß zu letzteren Mila nicht im entferntesten gehört, und so wird in diesem einen Falle die Analyse durch Kontrast ihr grelles Licht auf unser Lebensgesetz werfen. — 5. Es mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, wenn wir an dieser Stelle sogar die Forderung der Individual- Psychologen, den Kindern eine ״religiöse Begriffswelt“ in den ersten vierzehn Lebensjahren nicht zu erschließen, als eine Konsequenz auch des Hirsch’schen Gedankensystems bezeichnen. Denn diese Forderung richtet sich bei den meisten Vertretem dieser Richtung gegen die Begriffsspalterei, die früher der kirchliche Religionsunterricht an den Kleinen erprobte, sowie an den Erzählungen biblischer Geschichte, die ja für den Nichtangehörigen des Volkes der Bibel meist nur unlebendige Dinge sind und ihm nicht ans Herz kommen. In den Pädagogischen Plaudereien VII des II. Bandes der Gesammelten Schriften sehen wir ‘Hirschs Abneigung gegen den Unterrieht, der das Kinderherz auf die Folter metaphysischer Definitionen spannt, über die der reifste Geist nicht erheblich mehr zu sagen weiß als das unverdorbene Kindergemüt, — sowie gegen den frömmelnden Ton der Eltern, die das Kind in eine unverstandene Himmelssehnsucht nach ״Englein“ hineinreden. Wohl hat Hirsch hiermit nur die gute altjüdische Sitte festigen wollen, die Kinder ״dem Phantasieren fernzuhalten“ und sie vor der Reife nur zu ״rüsten“ und zu üben fürs Leben. Dennoch leuchtet auch hier sein spezieller Thorabegriff als Grundfeste seiner Symbolik der Verbote und des Lebens überhaupt hindurch. Dieser Begriff meint entschlossenen Gottesgehorsam im Diesseitsleben, diesseitige Gotteskind- Schaft aller, der Großen wie der Kleinen, meint Gott als Vater und Erhalter, meint die Thora als Summe seiner väterliehen Vermahnungen. Von den Angstkomplexen und ihrem Gegenpol, der überhitzten Gottesminne, — von Erbsündenlast und Beichte ist hier gar nicht, von geschöpflichen immanenten Beziehungen zu Gott nicht vor Kindern die Rede. Hätten