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Nahalat tsevi · 1931-02-01 · Heft 4-5 (Februar 1931) · p. Seite 140

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 4-5 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 140 (sequence 30)
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140 Gebotes entrüstet als späte Vergeistigung eines primitiven Gebrauchs abgewiesen haben. Wer aber die Symbolsprache, ja das schreiende Symbolsprechen der trüben Seelenregionen aus den Handlungen der Zwangskranken und den Erlebnissen des T raums heraushören gelernt hat, die den Menschen am Morgen verlassen müssen, wenn er nicht unbewußt zwangbelastet ins Tagesleben treten will, — kann sich auch vorstellen, daß diesem nachklingenden Symbolgeschrei kein Wort, auch kein Gebetwort, wohl aber eine Symbolhandlung heilend entgegenstehen und den Menschen reinigen kann, — ja versteht ihren Rhythmus und ist geheilt von seinen Zweifeln. 4. Wir haben mit dem Morgen des Juden angefangen. Geleiten wir ihn durch das Leben. Der Eintritt in den Bund Abrahams ist uns mit der bezeichnenden Vorschrift verknüpft, daß er nur am Tage und nicht in der Nacht zu geschehen hat. In den Grundzügen einer jüdischen Symbolik hat Hirsch dieser Vorschrift ganz besondere Bedeutung zuerkannt. Sie hebt das Gebot aus dem Dunkel eines triebhaften Blutritus zur Höhe eines lebenshellen Heiligungsaktes und hat mit den Mächten der Nachtseite des Lebens nichts zu tun, die im Menschen schlummern. Wären die Psychoanalytiker sich selbst treu geblieben und hätten solchen Einzelvorschriften des Thoragesetzes annährend soviele gründ'iche Aufmerksamkeit wie den Riten der Kannibalen geschenkt, dann hätten sie das triebabwehrende, ermunternde, erziehende, die Erdenwirk- Iichkeit mit schöpferischen Entschlüssen erfüllende Eigenleben der Thoravorschriften als gesundes, über alle Magie erhabenes Symptom einer ungebrochenen Geistigkeit erkannt, die von uns der Gott des Lebens verlangt. Es wäre eine Selbstschädigung, wollten wir die Flüchtigkeit, mit der einige Psychoanalytiker Thoravorschriften abwegig geschildert und gedeutet haben, mit völliger Ignorierung ihres Systems beantworten. Hier heißt es, die Schale verwerfen, den Kern in sich aufnehmen. Welche Mächte der Nachtseite menschlichen Seelenlebens am Werke sind, die Reinheit und Kraft unserer Entschlüsse zu trüben, das wird restlos nur in der analytischen Methode klar. Den Exzessen der psychoanalytischen Schulen ist seit 1918 im Berliner Jeschurun mit löblicher Gradheit A. Blau entgegengetreten; an uns ist es, ihre einwandfreien Schätze zu heben. Wir sind es ihnen umsomehr schuldig, als zur Richtig- Stellung jener Exzesse auch ihre eigenen Vertreter sich keiner

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