Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 139 (sequence 29)
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139 worben: Durch ihre Lehre von der Abdrängung mancher Triebe oder Mutlosigkeiten ins Körperliche, von der Flucht in die P Krankheit, eine Lehre, die vielfach zur Erklärung (und Verhütung) rein körperlicher und geistesorganischer Erkrankungen herangezogen wurde, haben die psychoanalytischen Schulen jener kraß materialistischen Auffassung den Boden entzogen, die sich zu Thora Vorschriften äußerlichste hygienische Begründüng erfand und demgemäß für Zeiten und Orte veränderter äußerer Lebensbedingung diese Vorschriften als unverbindlieh ansehen wollte. Analytische Gedankengänge weisen weit über solche Apothekermedizin hinaus und lassen ahnend das furchtbare Wunder nacherleben, das wir nach Maimonides und Hirsch in der Gottesstrafe des Zaraath zu erblicken haben, dessen Beschreibung in der Thora nach Maimonides und Hirsch aller Dermatologie spottet. Analytische Gedankengänge, wo immer wir ihnen folgen, geleiten uns in die Abgründe der Seele, wo der schöpferischen Entschlußkraft, der Tahara im Sinne Hirschs, durch unbewußte Phobieen und Philieen, Haß- und Liebekomplexe fortwährend der Weg verbaut wird. Nicht jede Krankheit des Seeleninneren wird in der Analyse durch Bewußtmachen des Patienten, sondern manche ״unter Tage“ durch ihm verdeckt bleibende Psyc’r.otherapeutik geheilt. Diese Innenheilmethode des unbewußten Ermutigens vom ersten Lebenstage an, wie sie später in der Individualpsychologie ihren speziellen Ausbau fand, wirft für uns zugleich neues Licht auf die seelische Wirkung, die wir vom Befolgen der Chukkim erhoffen. Der Heide aller Zeiten flüchtete aus der reinen und heiligen Welt sinnvoller Entschlüsse ״fürs Leben“ angstvoll in die Nebel der Todes- und Triebvergötterung. Der Jude sollte auch im Angesicht des Todes und selbst im Banne der Zeugung seine seelenzehrenden Unbewußtheiten meistern. Das ist der kurzgefaßte Sinn der ganzen Hirsch’schen Taharalehre, — und es ist;zugleich der menschheiterlösende Inhalt der Psychoanalyse. 3. Ein Mediziner des vorigen Jahrhunderts mag einer Vorschrift wie Netilath Jadajim der Erwachenden verständnislos gegenübergestanden und ihr angesichts der heutigen Reinlichkeitsvorkehrungen allen Sinn abgesprochen, ja bei der Angabe der Dezisoren, daß diese Vorschrift das Entfernen von Ruach hatuma meint, ein Grauen wie vor einem Fetisch der Urzeit empfunden und jede symbolische Ausdeutung dieses