Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 128 (sequence 18)
- Belongs to
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״So wäre an und fü,r sich eine Aktion eines Einzejneri oder eine Aktion einer Gruppe theoretisch möglich in der sicheren Voraussetzung, daß man in 300 Jahren nicht mehr sagt: die liberale Rabbinerkonferenz vom so und so vielten hat das gesagt, sondern die Ra b hon im haben das und das gesagt“ Diese Aeußerungen der liberalen Führer haben eine nicht zu unterschätzende historische Bedeutung, weil sie die m o׳ r a 1 isehe Verantwortung der so ge nannten Gemeinde- Orthodoxie für die zukünftige Entwicklung des deutschen Judentums mit krasser Deutlichkeit illustrieren. .Wenn das, was die liberalen Herren von ihrer Wühlarbeit am jüdischen Ehegesetz sich versprechen, wirklich einmal kommen wird, wenn im großen jüdischen Publikum das Bewußtsein von der Nichtkompetenz dieser Herren in der Entscheidung hälachischer Fragen allmählich ganz geschwunden sein wird, dann wird für eine solche Entwicklung des religiösen Bewußtseins im deutschen Judentum niemand anders als die Gemeinde- Orthodoxie die moralische Verantwortung tragen. Es ist sehr bequem, sich in das Beth-hämidrasch zurückzuziehen und sich im Angesicht der liberalen Wühlarbeit an den Grundlagen der jüdischen Einheit mit dem Gedanken zu beruhigen, daß es diesen Herren ja doch niemals gelingen werde, der Thora in Deutschland den Garaus zu machen, solange es der Orthodoxie möglich sei, im eigenen Kreise oder im Rahmen der Großgemeinde sich ungehindert auszuleben. Wie schon bisher diese orthodoxe Selbstgenügsamkeit die liberale Gegenseite nicht gehindert hat, die große Majorität der deutschen Judenheit in den Bereich ihres Einflusses zu ziehen und mit Hinweis auf die Toleranz der Gemeindeorthodoxie die Gleichberech1tigung des liberalen Judentums der öffentlichen Meinung einzuprägen, so wird auch in Zukunft, wann immer liberale ״Rabbonim“ es unternehmen werden, im Rahmen der Großgemeinden sich ungehindert auszuleben: Ehen einzusegnen, die keine jüdischen Ehen sind, Ehescheidungen vorzunehmen, die keine jüdischen Ehescheidungen sind u. s. w., so wird auch in Zukunft für dieses ״Hinüber- und Herüberfluten“ von אמת und שקר niemand anders als die Gemeindeorthodoxie verantwortlieh sein. Vor Gott, der noch immer ein Gott der Wahrheit ist, und vor der Geschichte, die Gottes Rechtsurteil vollstreckt.