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Nahalat tsevi · 1931-02-01 · Heft 4-5 (Februar 1931) · p. Seite 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 4-5 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 127 (sequence 17)
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127 tums die Majorität der deutschen Juden dem Gehorsam gegen דיני ישראל sich immer mehr und mehr entfremdet haben, dann mußte nicht nur im Sinne des Staatsgesetzes, dann durfte auch im Sinne des Choschen Mischpat Kap. 26 in allen bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten die Entscheidung der staatlichen Gerichte angerufen werden. Annektiert hat nicht der Staat, annektiert hat bloß das liberale Judentum, und zwar nicht nur den Choschen Mischpat, sondern ebenso die anderen Teile des Schulchan Aruch. Es wäre wirklich nicht der Mühe wert, auf alle diese Ergüsse der liberalen Gaonim so ausführlich einzugehen, wenn das Tun und Lassen dieser Herren für Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums nicht eine ernste Gefahr bedeuten würde. Auf der Berliner Tagung dieser Herren sind nämlich auch ein paar wahre Sätze gesprochen worden, die auf die gesamte Orthodoxie Deutschlands wie ein warnendes Schrecksignai wirken müßten. ״Es scheint, daß auch die liberalen Rabbiner nicht sowohl von eigener Führung und Gefolgschaft unserer Anhänger leben, sondern vielmehr von der Duldung der Orthodoxie.“ ״Die Einführung der Orgel wurde zum Anlaß der Bildung von Trennungsgemeinden. Der Bruch war also׳ vollzogen, denn die Einführung der Orgel haben die Orthodoxen genau so ernst genommen, wie sie die Eheprobleme ernst nehmen. Der Liberalismus ist fest geblieben. Die Zeit hat die Trennung überwunden. Heute hat die T re nnungs Orthodoxie keinen allzu großen Einfluß auf das Judentum mehr. Heute erkennt man jeden Rabbiner, der in eine Orgel- Synagoge geht, als Juden an. Die Gesamtheit des Judentums im Bewußtsein der großen Masse lehnt ihn nicht ab. Es ist ein Hinüber- und Herüberfluten. Sehr viele Ostjuden gehen in unsere Synagogen, auch wenn sie orthodox leben. Sie wollen nur nach ihrer Art beten, haben aber nicht das Empfinden eines Bruches. Wenn wir heute Ehegesetze formulieren, würden Bedenken sich zweifellos auch in der ostjüdischen Welt, wie bei Einführung der Orgel, erheben. Es wäre die Empfindung von etwas grundsätzlich Neuem. Aber wenn eine große Gemeinschaft von liberalen Rabbinern einen Entschluß faßt und fest bleibt, wird nach 30 oder 50 Jahren auch das überwuaden.“

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